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Natürliche lokale Seismizität

Yverdon-les-Bains liegt an der Westspitze des Neuenburgersees im südwestlichen Teil des Molassebeckens und dessen Übergang zum Jura im Norden (Abb. 1). Das Juragebirge besteht aus Kalk- und Mergelgestein, das während der alpinen Orogenese passiven Transport- und Faltungsprozessen unterworfen war, was zu der typischen Falten- und Schollenstruktur des Jurabogens führte. Durch diesen Prozess wurde auch das Molassebecken, ein sedimentäres Vorlandbecken, das subparallel zur Alpenfront verläuft, leicht deformiert.

Zwei Familien von transpressiven Verwerfungen dominieren das Gebiet von Yverdon-les-Bains (Abb. 1): 1) ostwestlich verlaufende, rechtsseitige Überschiebungen, die die 18 km lange Störzone Pipechat-Chamblon-Chevressy (PCC) bilden, und 2) nordsüdlich verlaufende, linksseitige Überschiebungen, wie die westlichen Überschiebungen von Chamblon (C) und Rances-Pipechat (RP). Die Hügel Pipechat und Chamblon wurden entlang dieser komplexen Überschiebungsstörungen angehoben und legten ältere Karbonatgesteine in den jüngeren Sedimentgesteinen des Molassebeckens frei [Jordi, 1993; Muralt et al., 1997; Pronk, 2009].

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Abb. 1. a) Geologische 3D-Karte der Region Yverdon (modifiziert nach Gainon, 2008).
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b) südöstlich-nordwestlicher Querschnitt aus a), der die Hebung des Hügels Chamblon entlang des transpressionalen PCC-Störungssystems zeigt (Muralt et al., 1997).

Für den vormodernen Überwachungszeitraum vor 1975 listet der Erdbebenkatalog der Schweiz (ECOS, 2009) insgesamt 40 Erdbeben in einem Entfernungsbereich von 10 km um den Projektstandort Malménergie Naturelle auf. Elf dieser Erdbeben hatten eine auf leichte Schäden hinweisende Intensität von V oder höher. Die stärksten Ereignisse erreichten Magnituden von 5,2 Mw (1846, Mathod-Yverdon-les-Bains), 4,7 Mw (1898, St. Croix-Yverdon) und 5,0 Mw (1929, Bioley-Magnoux). Zu beachten ist, dass die Orte dieser Ereignisse auf Grundlage historischer Quellen geschätzt und nicht aus instrumentellen seismischen Aufzeichnungen abgeleitet wurden. Daher können die Unsicherheiten bei der Lokalisierung mehrere Dutzend Kilometer betragen.

Zwischen dem Beginn des modernen nationalen seismischen Netzes im Januar 1975 und Dezember 2021 wurden in derselben Region 22 Erdbeben vom SED aufgezeichnet. Ihre Magnituden reichen von 0,9ML bis 2,7ML, wobei acht Erdbeben Magnituden von über 2,0ML erreichten. Vertikal sind die Beben über die gesamte Erdkruste verteilt. Keines dieser Erdbeben fand in einem Umkreis von 2 km um den Projektstandort von Malménergie Naturelle statt. Die geschätzte Vollständigkeit des Erdbebenkatalogs für den modernen Überwachungszeitraum vor der Installation des neuen Netzes liegt im betreffenden Gebiet bei 1,6ML, und kleinere Erdbeben könnten übersehen worden sein.

Alarmperimeter für das Projekt Malménergie Naturelle SA
Abb. 2 Alarmperimeter für das Projekt Malménergie Naturelle SA.

References

Fäh, D., Giardini, D., Kästli, P., Deichmann, N., Gisler, M., Schwarz-Zanetti, G., Alvarez-Rubio, S., Sellami, S., Edwards, B., Allmann, B., Bethmann, F., Wössner, J., Gassner-Stamm, G., Fritsche, S., Eberhard, D., 2011. ECOS-09 Earthquake Catalogue of Switzerland Release 2011 Report and Database. Public catalogue, 17. 4. 2011. Swiss Seismological Service ETH Zurich, Report SED/RISK/R/001/20110417.

Gainon, F., 2008. Les isotopes radioactifs de la série de l’uranium-238 ( 222 Rn, 226 Ra, 234 U et 238 U) dans les eaux thermales de Suisse: Sites d’Yverdon-les-Bains, Moiry, Loèche-les-bains, Saxon, Val d’Illiez, Bad Ragaz, Delémont, Lavey-les-Bains, Brigerbad et Combioula. PhD Thesis, University of Neuchâtel, Neuchâtel.

Jordi, H.A. 1993. Tectonique du basin molassique et de son substratum jurassique-crétacé dans la region Orbe-Yverdon-Grandson. Bulletin de la Société vaudoise des Sciences Naturelles 82 (3): 279-299.

Muralt, R., Vuataz, F.D., Schonborn, G., Sommaruga, A. Jenny, J. 1997. Integration of hydrochemical, geological and geophysical methods for the exploration of a new thermal water resource. Case of Yverdon-les-Bains, foot of the Jura range. Eclogae Geologicae Helvetiae 90 (2): 179-197.

Pronk, M., 2009. Origin and Behaviour of Microorganisms and Particles in Selected Karst Aquifer Systems. PhD Thesis, University of Neuchâtel, Neuchâtel.