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Verwendung des makroseismischen Fragebogens

Meldungen und Beschreibungen von Erdbeben aus der Bevölkerung sind neben instrumentellen Aufzeichnungen von seismischen Wellen die wichtigste Informationsquelle zu in der Schweiz verspürten Erdstössen. Wertvoll ist dabei sowohl Ihre möglichst detaillierte Meldung über ein von Ihnen verspürtes Erdbeben und dessen Wirkungen als auch Ihre Meldung, dass Sie ein bestimmtes Beben nicht verspürt haben.

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Felt Reports

Die sogenannte makroseismische Analyse, die sich vor allem auf Beobachtungen aus der Bevölkerung und Feldstudien stützt, war bis zur Erfindung von Seismographen der einzige Weg, Erdbeben systematisch zu beschreiben. Doch auch danach blieben Informationen über die Art und Weise, wie Erdbeben verspürt (oder nicht verspürt) wurden, wissenschaftlich wertvoll – bis heute. Aus diesen Angaben wird die sogenannte makroseismische Intensität bestimmt – ein Mass für die Auswirkung eines Erdbebens an der Oberfläche, in einer Ortschaft oder einem Stadtteil. Die Genauigkeit der makroseismischen Analyse und der darauf folgenden Abschätzung der Intensität hängt vor allem von der Qualität der Beobachtungen ab. Ein Bericht sollte Angaben über Schäden an Gebäuden und anderen Objekten, aber auch subjektive Beobachtungen enthalten.

Die Erfassung und teilweise automatische Analyse der Beobachtungen, die dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) aus der Bevölkerung per Online-Formular und Papierfragebogen übermittelt werden, haben folgende Ziele:

  • Schnelle Abschätzung der Auswirkungen und des Schadensausmasses eines Erdbebens
  • Kalibrierung der Erdbebenparameter makroseismisch untersuchter historischer Beben
  • Makroseismische Charakterisierung und Dokumentation von aktuellen Erdbeben
  • Charakterisierung von lokalen Effekten zur Unterstützung von Mikrozonierungen
  • Grundlagen zur Kalibrierung von Erdbebenszenarien

Die Angaben der Bevölkerung werden in makroseismischen Karten abgebildet. Für jedes Beben wird eine entsprechende Karte auf der Webseite des SED veröffentlicht (siehe Detailinformationen des jeweiligen Bebens).

Die makroseismische Intensität ist eine Klassifizierung der Bodenbewegung basierend auf den beobachteten Effekten in einem begrenzten Gebiet. Diese Beobachtungen können in fünf Kategorien eingeteilt werden: Schäden an der Bevölkerung, Objekten, Gebäuden, Tieren und der weiteren Umwelt. Diese fünf Gruppen werden für die Berechnungen mit numerischen Werten skaliert. Es existieren weltweit mehrere Skalen; momentan beim SED und in weiten Teilen Europas in Gebrauch ist die 1998 eingeführte Europäische Makroseismische Skala (EMS-98, Grünthal ed. 1998). Eine Intensitätsskala weist allgemeine Beschreibungen der Effekte eines Erdbebens auf, angefangen bei den schwächsten (Intensität I in EMS-98: nicht fühlbar) bis hin zu den stärksten (Intensität X+ in EMS-98: extrem). Jedem Ort wird ein Intensitätsgrad zugeschrieben. Die daraus resultierende Intensitätskarte ergibt ein umfassendes Bild der Auswirkungen eines Erdbebens.

Grundsätzlich spielen bei der Festlegung der Intensität auch subjektive Bewertungskriterien des jeweiligen Analysten eine Rolle. Deshalb ist es wichtig, den Evaluationsprozess und die Interpretationsspielräume zu dokumentieren und Unsicherheiten zu benennen. So wird in der Praxis des SED für jeden Ort eine Spanne zwischen minimalem und maximalem Wert angegeben (Imin und Imax) und der Wert mit der höchsten Wahrscheinlichkeit festgesetzt (Iw). Die Katalogeinträge und Karten basieren auf dem Iw Wert.

 

Quelle:
Grünthal, G. ed. 1998. ‘European Macroseismic Scale 1998 (EMS–98)’, Cahiers du Centre Européen de Géodynamique et de Séismologie 15, Helfent-Betrange (Luxembourg).