MENU
Der Seiteninhalt beginnt hier

Archiv Aktuelles 2018

19.04.2018

Bundesrat bewilligt neues Massnahmenpaket zum Schutz vor Naturgefahren

Bundesrat bewilligt neues Massnahmenpaket zum Schutz vor Naturgefahren

Im Rahmen des Projekts «Optimierung von Warnung und Alarmierung bei Naturgefahren» (OWARNA) verbessern Bund und Kantone seit 2010 laufend ihre Zusammenarbeit sowie Vorhersagen, Warnungen und Informationen bei Naturereignissen wie Hochwasser, Sturm, Lawinen oder Erdbeben. Die zuständigen Fachstellen des Bundes koordinieren ihre Anstrengungen im Lenkungsausschuss «Intervention Naturgefahren» (LAINAT). Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 18. April 2018 den neuesten OWARNA-Bericht zur Kenntnis genommen und für die Periode von 2019 bis 2023 entsprechende Ressourcen bewilligt. Neben der Fortführung der bisherigen Massnahmen steht in den nächsten Jahren vor allem die Anpassung und Weiterentwicklung von Produkten und Warnungen zu klimatischen Gefahren im Vordergrund.

18.04.2018

Alpenbildung: Auftauchen nach Ballastabwurf statt Zusammenschieben

Alpenbildung: Auftauchen nach Ballastabwurf statt Zusammenschieben

Die Alpengesteine sind zu einem Gebirge aufgestiegen, weil sie sich von der schwereren unteren Schicht der abtauchenden europäischen Platte gelöst haben. Dies schlagen E. Kissling vom Institut für Geophysik der ETH Zürich und F. Schlunegger vom Institut für Geologie der Universität Bern in ihrem vor kurzem publizierten neuen Modell zur Gebirgsbildung der Alpen vor. Bisherige Annahmen gingen davon aus, dass die Alpen durch Zusammenstauchen zwischen der adriatischen Platte im Süden und der europäischen Platte im Norden entstanden sind. Allerdings widersprechen verschiedene neuere geophysikalische und geologische Daten dem alten Bulldozer-Modell.

Die feste Gesteinsschale der Erde wird als Lithosphäre bezeichnet und ist in Platten zerbrochen, welche wie Flösse auf dem darunterliegenden zähflüssigen Mantel schwimmen. Diese Platten bestehen aus zwei Schichten, der Kruste oben und der sogenannten Mantellithosphäre unten. Die Kruste sorgt für den Auftrieb und verhindert, dass die schwerere Mantellithosphäre im Mantel versinkt. Die ozeanischen Teile der Lithosphären-Platten haben eine viel dünnere Kruste als die kontinentalen Teile. Sie haben daher einen viel geringeren Auftrieb, so dass die ozeanische Lithosphäre in sogenannten Subduktionszonen als Ganzes im Mantel versinken kann und dabei den kontinentalen Teil der Platte entlang der Erdoberfläche mitbewegt.

Am Anfang der Gebirgsbildung der Alpen steht eine solche Subduktion, bei welcher der frühere ozeanische Teil Europas unter den Adria-Afrikanischen Kontinent weiter im Süden abtaucht. Nachdem der gesamte Ozean subduziert ist, kommt es zur Kollision der beiden kontinentalen Lithosphärenplatten wie bei einem Zusammenstoss von zwei Flössen. Gemäss dem bisherigen Modell der Gebirgsbildung der schweizerischen Zentralalpen führt die Kollision der beiden kontinentalen Platten zum Zusammenschieben und Auftürmen des dazwischenliegenden Gesteinsmaterials.

Neuere geophysikalische Daten über die Tiefenstruktur der Alpen und geologische Erkenntnisse zur Entstehung des Mittelandes deuten jedoch darauf hin, dass der Zusammenschub, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Anteil an der Entstehung des Gebirges gehabt hat. Vielmehr sind die Alpengesteine zum Gebirge aufgetaucht, weil sich die kontinentale Kruste von der schweren Unterschicht der abtauchenden europäischen Platte gelöst hat. Die bis zu 60 km mächtige Kruste hat dadurch einen zusätzlichen, grossen Auftrieb erfahren und trägt seither problemlos die Last des Gebirges wie ein Eisberg, der auf dem Wasser schwimmt. Der verstärkte Auftrieb der kontinentalen Kruste gleicht die Gebirgshöhe stetig aus, welche aufgrund von Erosionprozessen ansonsten abnehmen würde. Flüsse und Gletscher formen das Gebirge durch Abtrag und Sedimentation im Vorlandbecken, früher im schweizerischen Mittelland und heute in der Po-Ebene.

Beim neuen Modell über die Bildung der Alpen stehen also gravitative und damit vertikal wirksame Kräfte der schwimmenden Platte im Vordergrund. Damit unterscheidet sich das Modell der beiden Autoren vom bisherigen Bulldozermodell, bei welchem horizontale Kräfte die zentrale Rolle spielen.

Publikation: «Rollback Orogeny Model for the Evolution of the Swiss Alps», Tectonics, 2018

Weitere Informationen: Edi Kissling, Fritz Schlunegger.

08.04.2018

Verspürtes Beben in der Nähe von Château-d’Oex

Verspürtes Beben in der Nähe von Château-d’Oex

Am Sonntag, dem 8. April 2018 hat sich um 23:50 Uhr (Lokalzeit) in der Nähe von Château-d’Oex (VD) in einer Tiefe von ungefähr 6 km ein Erdbeben der Magnitude 2.9 ereignet.

Die Erschütterungen waren vorwiegend im Gebiet um Château-d’Oex gut zu spüren. Zudem haben auch im unteren Rhonetal viele Personen das Beben wahrgenommen. Dies aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit (weiche Sedimente) und der damit verbundenen Verstärkung der Erdbebenwellen. Bei einem Erdbeben dieser Stärke sind in der Regel keine Schäden zu erwarten.

Die Region um Château-d’Oex wurde bereits 2016 und 2017 von zahlreichen Erdbeben erschüttert. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 4.3, gefolgt von zahlreichen Nachbeben, ereignete sich am 1. Juli 2017. Das Beben vom Sonntag wurde etwa 3 km südöstlich der Erdbebenschwärme im Jahr 2016 und 2017 lokalisiert.

12.03.2018

Erdbeben an der deutsch-schweizerischen Grenze nahe Laufenburg

Erdbeben an der deutsch-schweizerischen Grenze nahe Laufenburg

Am Montag, 12. März 2018 hat sich kurz nach Mitternacht um 00:29 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 3.1 in Deutschland ereignet, ungefähr 13 km nördlich von Laufenburg. Das Erdbeben ereignete sich in 17 km Tiefe und wurde in der Nähe des Epizentrums und auch auf der schweizerischen Seite der Grenze deutlich verspürt. Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Stärke in der Regel nicht zu erwarten.

08.02.2018

Lawinen mit seismischen Messgeräten erfassen

Lawinen mit seismischen Messgeräten erfassen

Lawinen stellen eine Gefahr für Bergdörfer und SchneesportlerInnen dar. Wichtige Informationen, um die Lawinengefahr zuverlässig zu beurteilen, liefern kürzlich erfolgte Lawinenniedergänge. Jedoch ereignen sich viele von diesen nachts oder in unbewohnten Gebieten, sodass oft Unsicherheit darüber herrscht, wann und wieviele Lawinen tatsächlich in die Täler gestürzt sind. In einem gemeinsamen Projekt zeigen der Schweizerischen Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, dass seismische Messungen Abhilfe schaffen könnten.

Dazu gilt es aber einige Schwierigkeiten zu überwinden. Anders als Erdbeben weisen die Signale von Lawinen weder einen klaren Beginn noch verschiedene Wellenphasen auf. Mit gängigen seismischen Methoden lässt sich daher ein Lawinenniedergang nur schwer erkennen. Ausserdem leidet die Signalqualität darunter, dass die niedergehende Lawine kontinuierlich in Bewegung ist. Deshalb entwickelten Forschende des SED ein Computermodell, das diese Signale mit speziellen Methoden verarbeitet. Das Modell wurde an über 350 realen Lawinenniedergängen getestet, die das SLF oberhalb von Davos im Jahr 2012 erfasst hat.

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Das Computermodell registrierte automatisch über 90 Prozent aller Lawinenniedergänge. Um die Detektion zu verfeinern, wären eine grössere Anzahl an Sensoren sowie eine ausgefeiltere Anordnung der Messgeräte nötig. Letzteres möchte der SED in Zusammenarbeit mit dem SLF nun weiter untersuchen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Prognose der Lawinengefahr.

Publikation: Heck, M., Hammer, C., van Herwijnen, A., Schweizer, J., and Fäh, D.: Automatic detection of snow avalanches in continuous seismic data using hidden Markov models, Nat. Hazards Earth Syst. Sci., 18, 383-396, https://doi.org/10.5194/nhess-18-383-2018, 2018.

01.02.2018

Erneutes Erdbeben bei Bludenz (A)

Am Donnerstag, den 1. Februar 2018, hat sich um 02:47 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 4.1 ca. 10 km östlich von Bludenz ereignet. Bludenz liegt am nördlichen Ende des Montafon-Tals im Bundesland Vorarlberg in Österreich. Das Erdbeben wurde nach ersten Analysen ziemlich nahe an der Oberfläche lokalisiert, die Tiefe ist aber aufgrund der Entfernung zu den nächsten Messstationen nur sehr unsicher zu bestimmen. Bei einem Erdbeben dieser Stärke sind kleinere Schäden in der Nähe des Epizentrums nicht auszuschliessen.

 

Gemäss den Berichten, welche auf unserer Webseite in der ersten Stunde nach dem Erdbeben eingegangen sind, war das Erdbeben auch in Liechtenstein und in weiten Teilen der (Ost-)Schweiz, insbesondere in den Kantonen St. Gallen und Graubünden deutlich spürbar. Schäden sind in der Schweiz keine zu erwarten.

Dies ist das zweite deutlich verspürte Beben im Silvretta-Gebirge innerhalb der letzten zwei Wochen. Schon am 17. Januar 2018 hatte sich 13 km östlich von Bludenz ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.1 ereignet, das in der Schweiz (vor allem in der Ostschweiz) deutlich verspürt wurde.

25.01.2018

Erdbeben in der Schweiz im Jahr 2017: ein Rückblick

Das Jahr 2017 zeigte erneut, dass die Schweiz ein Erdbebenland ist. Es ereigneten sich zwei weiträumig verspürte Erdbeben mit Magnituden von über 4 und hunderten Nachbeben. Zudem konnte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich mehr kleine Beben als je zuvor aufzeichnen. Die Gesamtzahl registrierter Erdbeben im Jahr 2017 in der Schweiz und im grenznahen Ausland beläuft sich auf rund 1'230.

Am 3. März 2017 wurde die Schweiz vom stärksten Erdbeben seit mehr als zehn Jahren erschüttert. Das Beben mit einer Magnitude von 4.6 ereignete sich bei Urnerboden im Grenzgebiet von Uri, Schwyz und Glarus. Es wurde in weiten Teilen der Schweiz verspürt und verursachte in der Nähe des Epizentrums vereinzelt kleinere Gebäudeschäden sowie 100 Nachbeben. Das letzte stärkere Beben ereignete sich mit einer Magnitude von 4.9 am 8. September 2005 bei Vallorcine (Frankreich) nahe der Schweizer Grenze bei Martigny (VS). Zum zweiten weiträumig verspürten Erdbeben im Jahr 2017 kam es am 1. Juli bei Château-d’Oex (VD). Es hatte eine Magnitude von 4.3 und löste rund 240 Nachbeben aus, von denen einige ebenfalls spürbar waren.

Insgesamt registrierte und lokalisierte der SED im Jahr 2017 in der Schweiz und im grenznahen Ausland mit rund 1'230 Erdbeben mehr Ereignisse als je zuvor. Über 700 davon waren Mikrobeben mit Magnituden von kleiner als 1.0 bis -0.4. Solche Beben werden dank der Verbesserung des seismischen Messnetzes in einigen Teilen des Landes vermehrt „sichtbar“, was einen wichtigen Beitrag leistet, um Strukturen und Prozesse im Schweizer Untergrund besser zu verstehen. Die Anzahl der Beben mit Magnituden von 2.5 oder grösser entsprach mit 23 Ereignissen dem Durchschnitt der letzten 42 Jahre. Die Erdbebenaktivität konzentrierte sich vor allem auf das Wallis, Graubünden und das Gebiet entlang der Alpenfront.

Von der Bevölkerung teils deutlich verspürt wurden letztes Jahr ausserdem das Erdbeben bei Vallorcine (Frankreich) am 20. März (Magnitude 3.0), diejenigen in der Nähe von Sion (VS) am 2. Juni sowie 5. August (Magnituden 3.3 und 2.4) und dasjenige nahe Zug (ZG) am 21. November (Magnitude 3.3).

Schwankungen der Erdbebenhäufigkeit von Jahr zu Jahr sind normal und erlauben keine Aussage über die zukünftige Seismizität. Ein Schadenbeben mit einer Magnitude von 6 tritt in der Schweiz in der Regel einmal alle 50 bis 150 Jahre auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies im Jahr 2018 der Fall sein wird, liegt also bei etwa einem Prozent.

Medienmitteilung herunterladen (PDF)

Karte herunterladen (PNG)

Vergangene Jahresberichte

17.01.2018

Erdbeben bei Bludenz (A) auch in der Schweiz deutlich verspürt

Erdbeben bei Bludenz (A) auch in der Schweiz deutlich verspürt

Am Mittwoch, 17. Januar 2018 hat sich um 20:07 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 4.1 13 km östlich von Bludenz (Vorarlberg, Österreich) ereignet. Bludenz ist das nördliche Ende des 39 km langen Montafon-Tals. Das Erdbeben war nach ersten Analysen ziemlich oberflächennah, die Tiefe ist aber aufgrund der Entfernung zu den nächsten Messstationen nur sehr unsicher zu bestimmen. Kleinere Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Stärke in der Nähe des Epizentrums vereinzelt möglich.

Das Beben war auch in weiten Teilen der (Ost-)Schweiz, insbesondere im Raum St.Gallen (56 km Entfernung zum Epizentrum) deutlich spürbar.

Erdbeben sind im Silvretta-Gebirge keine Seltenheit. Bereits am 8. Januar 2018 hatte sich an der Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol ein leichtes Erdbeben mit einer Magnitude von 2.9 ereignet, das in der Region schwach verspürt wurde.