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Archiv Aktuelles 2018

07.08.2018

Erdbeben auf der Insel Lombok

Am 29. Juli 2018 hat ein schweres Erdbeben mit einer Magnitude von 6.4 die indonesische Insel Lombok erschüttert. Darauf folgten einige schwächere Beben bis sich am 5. August ein noch stärkeres mit einer Magnitude von 6.9 ereignete. Die Beben führten zu zahlreichen Schäden an Gebäuden und Verkehrswegen und forderten nach aktuellen Kenntnissen ungefähr 100 Todesopfer. Die Erschütterungen waren auch auf Bali deutlich spürbar und richteten vereinzelt Schäden an. Grundsätzlich ist nach Beben dieser Stärke in den kommenden Tagen bis Monaten mit weiteren, teils starken Nachbeben zu rechnen. Es kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass sich in nächster Zeit ein noch stärkeres Beben ereignet. Die aktuellen Beben treten in 10 bis 30 km Tiefe auf. Daher können auch schwächere Beben ab etwa einer Magnitude von 5 weitere Schäden verursachen.

Indonesien liegt auf dem pazifischen Feuerring, einem seismisch äussert aktiven Gebiet, das auch Länder wie Japan, die Philippinen oder Neuseeland umfasst. Entlang des Feuerrings ereignen sich 90 Prozent aller Erdbeben weltweit. Indonesien weist somit eine vergleichsweise hohe Erdbebengefährdung auf. Trotz regionalen Unterschieden der Erdbebengefährdung innerhalb des Landes sind Erdbeben in der Stärke wie jene in Lombok überall und jederzeit möglich. Solch schwere Beben sind in etwas weniger stark gefährdeten Gebieten wie Lombok etwas seltener zu erwarten als beispielsweise in Sumatra, aber keinesfalls auszuschliessen.

Personen, die in den nächsten Tagen oder Wochen nach Indonesien reisen möchten, empfehlen wir, sich beim Reiseanbieter oder bei den lokalen Unterkünften über die Situation vor Ort zu erkundigen. Reisende vor Ort sollten sich an die Empfehlungen der lokalen Behörden halten und die aktuellen Entwicklungen in den Medien verfolgen. Allgemeine Tipps zum Verhalten vor, während und nach einem Erdbeben im Ausland finden Sie hier.

Weitere Informationen auf Englisch:

USGS Informationen zum 6.9 Beben

Blogbeitrag von Temblor

17.07.2018

Auf und davon – in ein Erdbebenland?

Auf und davon – in ein Erdbebenland?

Endlich haben sie begonnen, die grossen Ferien. Die Unterkunft ist gebucht, die Koffer gepackt und die Sicherheitskontrolle am Flughafen überwunden. Was kann da noch schiefgehen? Viele Reisende sind auf allfällige Ferienstörungen in Form von Mückenplagen, Trickdiebstählen oder Tropenhitze gewissenhaft vorbereitet. Der Mückenspray ist griffbereit, eine Diebstahlversicherung abgeschlossen und ein Zimmer mit Klimaanlage gebucht. Wer denkt da noch an Erdbeben, die zwar weitaus seltener auftreten als die zuvor genannten Übel, einem aber ebenfalls die Ferienlaune verderben könnten.

Gewisse Vorkehrungen zu treffen, hilft auch im Erdbebenfall. Informieren Sie sich vor der Abreise, ob sich das Reiseziel in einem besonders erdbebengefährdeten Gebiet befindet (siehe Erdbebengebiete). Mit Italien, Griechenland und der Türkei liegen mehrere der beliebtesten Sommerreiseziele der Schweizerinnen und Schweizer in Regionen mit einer deutlich höheren Erdbebengefährdung als wir sie in der Schweiz kennen. Das gilt auch für andere populäre Destinationen wie Neuseeland, Kalifornien oder Bali, die allesamt am besonders gefährdeten «Feuerring» liegen, wo sich 90 Prozent aller Erdbeben ereignen. Wenn Sie in eines dieser Gebiete reisen, könnte es lohnenswert sein, die nachfolgenden Tipps in Betracht zu ziehen.

Da Erdbeben ohne Vorwarnung auftreten, hilft es im Vorfeld zu wissen, was man im Ereignisfall tun sollte. Die Standardempfehlung in der Schweiz und anderswo lautet: Schutz suchen. Sei es unter einem stabilen Tisch oder indem man sich im Bett das Kissen schützend über den Kopf hält. Ein Gutteil der Verletzungen in Erdbeben stammt von herunterfallenden Objekten wie Regalinhalten, Decken- oder Wandelementen. Wer während des Bebens panisch umherrennt, erhöht die Gefahr, von einem solchen Gegenstand getroffen zu werden. Hinzu kommt, dass es einem bei einem starken Beben schwerfällt, überhaupt die Balance zu halten. Entsprechend ist man froh, sich an etwas festhalten zu können, das Schutz bietet (das ging dem Direktor des Erdbebendienstes nicht anders, wie Sie in folgender SRF Einstein Sendung sehen können).

Wie so oft gibt es auch in diesem Fall Ausnahmen. Sollten Sie sich nahe des Meers befinden, ist von diesem wegzurennen aufgrund eines möglicherweise folgenden Tsunamis die bessere Option. In Alaska haben sie dafür folgende Faustregel: Ist das Beben stark genug, um dich beinahe umzuwerfen, renne den nächsten Hügel hoch. Dasselbe gilt, wenn Sie sich in unmittelbarer Nähe eines Ausgangs ins Freie befinden. Sollten Sie bereits draussen sein, bleiben Sie dort und nehmen Sie Abstand von Gebäuden. Die ausführlichen Empfehlungen im Verhaltensfall finden Sie hier. Was genau bei einem Beben die richtige Massnahme ist, hängt also sehr stark von den Bedingungen ab (was für ein Beben, was für ein Gebäude, wo man sich befindet etc.)

Entsprechend schwer fällt es Seismologen, allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen, ohne unangemessen Angst hervorzurufen. Der wichtigste Schutz gegen Erdbeben ist und bleibt eine angemessene Bauweise. Allerdings können auch Experten nur schwer auf einen Blick beurteilen, wie erdbebensicher ein Gebäude ist. Somit kann es kaum ein Kriterium bei der Auswahl einer Unterkunft sein. Oft gilt: Je neuer ein Gebäude, desto eher ist es gemäss neueren Baunormen und somit erdbebensicher gebaut. Unter Umständen kann eine Nachfrage beim Besitzer der Unterkunft oder dem Reiseveranstalter Klarheit verschaffen.

Sobald die Erschütterungen vorüber sind, sollten stark beschädigte Gebäude verlassen werden. Dabei sollte man sich vor herunterfallenden Gegenständen wie Ziegeln oder heruntergerissenen Stromleitungen in Acht nehmen. Nach einem grösseren Beben ist in jedem Fall mit teils starken Nachbeben zu rechnen, die weitere Schäden anrichten können. Grundsätzlich gilt es, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Für alle, die weitere Vorkehrungen treffen möchten, sind auf folgender Seite Empfehlungen aufgelistet, was man im Vorfeld von kürzeren oder längeren Aufenthalten machen kann. Alle Informationen können zudem als Faktenblatt heruntergeladen werden.

Zu guter Letzt, vergessen Sie nicht, Erdbeben sind real, aber selbst in Erdbebengebieten ist das Risiko verschwindend klein, zu Schaden zu kommen. Sollte Ihre Reise nach Kalifornien führen, beträgt es 1 zu 1'000'000 pro Jahr. Dort autozufahren ist im Vergleich dazu wesentlich gefährlicher. Die Chance einen schweren Unfall zu erleiden, beträgt etwa 1 zu 11'428. In diesem Sinne lassen Sie sich Ihre wohlverdienten Ferien nicht verderben, eine gute Vorbereitung unterstützt Sie dabei!

16.05.2018

Zwei Beben in der Nähe von Châtel-St-Denis

Zwei Beben in der Nähe von Châtel-St-Denis

Am Dienstag, dem 15. Mai 2018, hat sich um 17:30 Uhr (Lokalzeit) in der Nähe von Châtel-St-Denis (FR) in einer Tiefe von ungefähr 5 km ein erstes Erdbeben der Magnitude 3.1 ereignet.

Die Erschütterungen waren vorwiegend in der Umgebung von Châtel-St-Denis bis hin nach Vevey gut zu spüren. Da sich das Beben relativ nahe der Erdoberfläche ereignet hat, wurde es vor allem im Gebiet des Epizentrums relativ deutlich verspürt. Die Anzahl der Erdbebenmeldungen nahm entsprechend mit der Distanz ab. In den vergangenen Jahren haben sich in der Umgebung von Châtel-St-Denis keine grösseren Beben oder Erdbebenschwärme ereignet. Dies im Unterschied zum weiter östlich gelegenen Château-d’Oex, wo in den vergangenen Monaten zahlreiche Beben aufgetreten sind. Einen Zusammenhang zwischen dem Beben von Châtel-St-Denis und denjenigen von Château-d’Oex besteht aber nicht. Bei einem Beben dieser Stärke sind keine Schäden zu erwarten.

Am Mittwoch, dem 16. Mai 2018, hat sich um 11:32 Uhr ein zweites Beben ereignet. Die Magnitude war mit 2.9 leicht schwächer. Das Epizentrum dieses Bebens liegt am selben Ort wie jenes des ersten (etwas 2 km südwestlich von Châtel-St-Denis). Das zweite Beben ereignete sich aber vermutlich noch ein bisschen näher an der Erdoberfläche.

05.05.2018

Start der Marsmission InSight geglückt

Start der Marsmission InSight geglückt

Die NASA-Rakete mit dem InSight Lander an Bord hat am 5. Mai 2018 erfolgreich irdischen Boden verlassen. Nachdem sie von Vandenberg (Kalifornien) zuerst Kurs in Richtung Süden aufgenommen hatte, trennte sich InSight nach etwa eineinhalb Stunden von der Trägerrakete und richtete seine Flugbahn zum Mars aus. Nach gut sechs Monaten und 485 Million Kilometern wird der Lander am 26. November 2018 auf dem roten Planeten ankommen. InSight wird die erste Mission sein, die tief unter die Marsoberfläche blickt und das Innere des Planeten untersucht, indem sie die Wärmeabgabe des Planeten misst sowie auf Marsbeben lauscht.

Mit dem Ziel Marsbeben zu messen, wird der InSight Lander das Seismometer «SEIS» auf dem Mars platzieren. Sobald Daten von SEIS an der ETH Zürich eintreffen, werten Seismologinnen und Seismologen des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) und der Gruppe für Seismologie und Geodynamik (SEG) diese im Rahmen ihrer Routinearbeit aus. Mit nur einem Seismometer ist dies aber keine leichte Aufgabe. Im Unterschied zur Erde, wo die Seismologen auf zahlreiche Stationen zurückgreifen können, um den Ursprung einer Erschütterung zu ermitteln, fehlt es auf dem Mars an Referenzpunkten. Aus diesem Grund wird besonders darauf geachtet, auch den schwächsten Signalen möglicher Marsbeben, Meteoriteneinschläge oder auch kleiner Tornados so viel Information wie möglich zu entnehmen. Die Mitarbeitenden des Marsbebendienstes kombinieren dazu Methoden aus der Frühzeit der Seismologie, als es auch auf der Erde nur einzelne Seismometer gab, mit modernen Analyseverfahren zur Lokalisierung der seismischen Ereignisse.

Von den Ergebnissen der InSight-Mission erhofft man sich Erkenntnisse über eine der fundamentalen Fragen der Planeten- und Sonnensystemforschung: Man möchte die Prozesse besser verstehen, die vor mehr als vier Milliarden Jahren die erdähnlichen Planeten des inneren Sonnensystems (einschliesslich der Erde) haben entstehen lassen.

Erfahren Sie mehr über die InSight Mission und die Aktivitäten der ETH www.insight.ethz.ch

Schauen Sie, was unsere Mars-Forschenden über die Insight Mission berichten

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26.04.2018

Menschgemacht oder nicht? Untersuchung des Magnitude 5.5 Erdbebens von Pohang in Südkorea

Menschgemacht oder nicht? Untersuchung des Magnitude 5.5 Erdbebens von Pohang in Südkorea

Eine jüngst in Science veröffentlichte Studie untersucht, ob eine Verbindung zwischen einem Erdbeben der Magnitude 5.5 in Südkorea und einem nahegelegenen Geothermieprojekt besteht. Verfasst wurde der Beitrag von einem Team des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich unter Mitwirkung der Gruppe Ingenieurgeologie der ETH, des GFZ Potsdam und der Universität Glasgow. Bei dem Erdbeben, das sich am 15. November 2017 ereignete, wurden etwa 80 Menschen verletzt und zahlreiche Gebäude in der Stadt Pohang beschädigt. Sollte sich herausstellen, dass es sich dabei um ein menschgemachtes Beben handelt, wäre es das bisher grösste bekannte in Zusammenhang mit der Energiegewinnung aus Tiefengeothermie.

Seismogramme von induzierten Erdbeben unterscheiden sich in der Regel nicht von denen natürlicher Erdbeben. Untersuchungen dazu konzentrieren sich daher auf eine Reihe von Indikatoren und berücksichtigen unter anderem den Ort der Beben, ihre Tiefe sowie die im Untergrund vorgenommenen Stimulationsmassnahmen. Basierend auf der Analyse von öffentlich zugänglichen kontinuierlichen Wellenformdaten sowie geodätischen Satellitendaten leistet diese Studie einen Beitrag, um besser zu verstehen, ob es sich beim Pohang Beben um ein natürliches oder um menschgemachtes Ereignis handelt.

Die Studie zeigt, dass sich das Hauptbeben und seine grössten Nachbeben im Abstand von 2 km oder weniger vom Standort des Geothermieprojekts ereigneten. Ihre Epizentren liegen zudem nicht mehr als 1.5 km von einem induzierten Beben entfernt, das im April 2017 während einer der Stimulationskampagnen aufgetreten ist. Eine koreanische Studie, die zeitgleich in Science erschien, bestätigt diese Lokalisierungen. In der Regel gilt: Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs ist umso grösser, je kleiner die Distanz einer Erdbebensequenz zu einem Geothermieprojekt ausfällt, je näher die Sequenz an vorangehender, damit zusammenhängender seismischer Aktivität liegt und je geringer der zeitliche Abstand zu den Stimulationsmassnahmen im Untergrund ist. Sowohl das Hauptbeben als auch die vom 15. bis zum 30. November 2017 detektierten 46 Nachbeben ereigneten sich in Tiefen von 3 bis 7 Kilometern, was verglichen mit zuvor aufgezeichneten, natürlichen Beben in der Region ausserordentlich gering ist. Die Analyse der Satellitendaten zeigt, dass das Hauptbeben die Erdoberfläche permanent um bis zu 4 cm verschoben hat. Dies deutet darauf hin, dass die nun aktivierte und bisher unbekannte Störung eine sehr oberflächennahe und steil einfallende Überschiebung ist, die direkt unterhalb des Bohrlochendes verläuft.

Diese Hinweise zusammengenommen, legen den Schluss nahe, dass vermutlich ein Zusammenhang zwischen dem Geothermieprojekt und dem Beben besteht. Allerdings ereignete sich das Hauptbeben erst zwei Monate nach Abschluss der letzten Stimulationsmassnahmen. Bislang fehlt ein quantitatives Model, welches einen Kausalzusammenhang zwischen den Stimulationsmassnahmen und diesem Ereignis herstellt. Die koreanische Regierung hat eine unabhängige Expertenkommission einberufen, um alle Hinweise zu prüfen und zu untersuchen, ob das Beben durch die nahegelegene Stimulation ausgelöst worden sein könnte. Gemäss unserem Kenntnisstand wird die Kommission zu diesem Zweck alle verfügbaren Daten und Modelle (erneut) analysieren und bewerten. Miteinbezogen werden mikroseismische Daten, Injektionsvolumen, Druckverläufe im Reservoir und detaillierte hydrologische und geologische Daten. Sie sind wesentlich, um die Zusammenhänge zwischen den Stimulationsmassnahmen und der Erdbebensequenz verstehen zu können.

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich hat die Öffentlichkeit im Rahmen eines Berichts über bewährte Strategien im Umgang mit induzierten Seismizität im November 2017 zum ersten Mal über das Erdbeben in Pohang informiert (siehe SED News). Gleichzeitig hatte Geo-Energie Suisse AG den Kanton Jura in Kenntnis gesetzt. Auf dessen Gebiet liegt das momentan einzige petrothermale Tiefengeothermieprojekt (EGS), welches in der Schweiz eine Baubewilligung beantragt hat. Der Kanton Jura hat daraufhin die Geo-Energie Suisse AG angewiesen, mögliche Auswirkungen für das geplante Geothermieprojekt in Haute-Sorne einzuschätzen. Ein vertieftes Verständnis der Ereignisse in Pohang ist zentral, um künftig sicher und nachhaltig geothermische Energie gewinnen zu können.

19.04.2018

Bundesrat bewilligt neues Massnahmenpaket zum Schutz vor Naturgefahren

Bundesrat bewilligt neues Massnahmenpaket zum Schutz vor Naturgefahren

Im Rahmen des Projekts «Optimierung von Warnung und Alarmierung bei Naturgefahren» (OWARNA) verbessern Bund und Kantone seit 2010 laufend ihre Zusammenarbeit sowie Vorhersagen, Warnungen und Informationen bei Naturereignissen wie Hochwasser, Sturm, Lawinen oder Erdbeben. Die zuständigen Fachstellen des Bundes koordinieren ihre Anstrengungen im Lenkungsausschuss «Intervention Naturgefahren» (LAINAT). Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 18. April 2018 den neuesten OWARNA-Bericht zur Kenntnis genommen und für die Periode von 2019 bis 2023 entsprechende Ressourcen bewilligt. Neben der Fortführung der bisherigen Massnahmen steht in den nächsten Jahren vor allem die Anpassung und Weiterentwicklung von Produkten und Warnungen zu klimatischen Gefahren im Vordergrund.

18.04.2018

Alpenbildung: Auftauchen nach Ballastabwurf statt Zusammenschieben

Alpenbildung: Auftauchen nach Ballastabwurf statt Zusammenschieben

Die Alpengesteine sind zu einem Gebirge aufgestiegen, weil sie sich von der schwereren unteren Schicht der abtauchenden europäischen Platte gelöst haben. Dies schlagen E. Kissling vom Institut für Geophysik der ETH Zürich und F. Schlunegger vom Institut für Geologie der Universität Bern in ihrem vor kurzem publizierten neuen Modell zur Gebirgsbildung der Alpen vor. Bisherige Annahmen gingen davon aus, dass die Alpen durch Zusammenstauchen zwischen der adriatischen Platte im Süden und der europäischen Platte im Norden entstanden sind. Allerdings widersprechen verschiedene neuere geophysikalische und geologische Daten dem alten Bulldozer-Modell.

Die feste Gesteinsschale der Erde wird als Lithosphäre bezeichnet und ist in Platten zerbrochen, welche wie Flösse auf dem darunterliegenden zähflüssigen Mantel schwimmen. Diese Platten bestehen aus zwei Schichten, der Kruste oben und der sogenannten Mantellithosphäre unten. Die Kruste sorgt für den Auftrieb und verhindert, dass die schwerere Mantellithosphäre im Mantel versinkt. Die ozeanischen Teile der Lithosphären-Platten haben eine viel dünnere Kruste als die kontinentalen Teile. Sie haben daher einen viel geringeren Auftrieb, so dass die ozeanische Lithosphäre in sogenannten Subduktionszonen als Ganzes im Mantel versinken kann und dabei den kontinentalen Teil der Platte entlang der Erdoberfläche mitbewegt.

Am Anfang der Gebirgsbildung der Alpen steht eine solche Subduktion, bei welcher der frühere ozeanische Teil Europas unter den Adria-Afrikanischen Kontinent weiter im Süden abtaucht. Nachdem der gesamte Ozean subduziert ist, kommt es zur Kollision der beiden kontinentalen Lithosphärenplatten wie bei einem Zusammenstoss von zwei Flössen. Gemäss dem bisherigen Modell der Gebirgsbildung der schweizerischen Zentralalpen führt die Kollision der beiden kontinentalen Platten zum Zusammenschieben und Auftürmen des dazwischenliegenden Gesteinsmaterials.

Neuere geophysikalische Daten über die Tiefenstruktur der Alpen und geologische Erkenntnisse zur Entstehung des Mittelandes deuten jedoch darauf hin, dass der Zusammenschub, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Anteil an der Entstehung des Gebirges gehabt hat. Vielmehr sind die Alpengesteine zum Gebirge aufgetaucht, weil sich die kontinentale Kruste von der schweren Unterschicht der abtauchenden europäischen Platte gelöst hat. Die bis zu 60 km mächtige Kruste hat dadurch einen zusätzlichen, grossen Auftrieb erfahren und trägt seither problemlos die Last des Gebirges wie ein Eisberg, der auf dem Wasser schwimmt. Der verstärkte Auftrieb der kontinentalen Kruste gleicht die Gebirgshöhe stetig aus, welche aufgrund von Erosionprozessen ansonsten abnehmen würde. Flüsse und Gletscher formen das Gebirge durch Abtrag und Sedimentation im Vorlandbecken, früher im schweizerischen Mittelland und heute in der Po-Ebene.

Beim neuen Modell über die Bildung der Alpen stehen also gravitative und damit vertikal wirksame Kräfte der schwimmenden Platte im Vordergrund. Damit unterscheidet sich das Modell der beiden Autoren vom bisherigen Bulldozermodell, bei welchem horizontale Kräfte die zentrale Rolle spielen.

Publikation: «Rollback Orogeny Model for the Evolution of the Swiss Alps», Tectonics, 2018

Weitere Informationen: Edi Kissling, Fritz Schlunegger.

08.04.2018

Verspürtes Beben in der Nähe von Château-d’Oex

Verspürtes Beben in der Nähe von Château-d’Oex

Am Sonntag, dem 8. April 2018 hat sich um 23:50 Uhr (Lokalzeit) in der Nähe von Château-d’Oex (VD) in einer Tiefe von ungefähr 6 km ein Erdbeben der Magnitude 2.9 ereignet.

Die Erschütterungen waren vorwiegend im Gebiet um Château-d’Oex gut zu spüren. Zudem haben auch im unteren Rhonetal viele Personen das Beben wahrgenommen. Dies aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit (weiche Sedimente) und der damit verbundenen Verstärkung der Erdbebenwellen. Bei einem Erdbeben dieser Stärke sind in der Regel keine Schäden zu erwarten.

Die Region um Château-d’Oex wurde bereits 2016 und 2017 von zahlreichen Erdbeben erschüttert. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 4.3, gefolgt von zahlreichen Nachbeben, ereignete sich am 1. Juli 2017. Das Beben vom Sonntag wurde etwa 3 km südöstlich der Erdbebenschwärme im Jahr 2016 und 2017 lokalisiert.

12.03.2018

Erdbeben an der deutsch-schweizerischen Grenze nahe Laufenburg

Erdbeben an der deutsch-schweizerischen Grenze nahe Laufenburg

Am Montag, 12. März 2018 hat sich kurz nach Mitternacht um 00:29 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 3.1 in Deutschland ereignet, ungefähr 13 km nördlich von Laufenburg. Das Erdbeben ereignete sich in 17 km Tiefe und wurde in der Nähe des Epizentrums und auch auf der schweizerischen Seite der Grenze deutlich verspürt. Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Stärke in der Regel nicht zu erwarten.

08.02.2018

Lawinen mit seismischen Messgeräten erfassen

Lawinen mit seismischen Messgeräten erfassen

Lawinen stellen eine Gefahr für Bergdörfer und SchneesportlerInnen dar. Wichtige Informationen, um die Lawinengefahr zuverlässig zu beurteilen, liefern kürzlich erfolgte Lawinenniedergänge. Jedoch ereignen sich viele von diesen nachts oder in unbewohnten Gebieten, sodass oft Unsicherheit darüber herrscht, wann und wieviele Lawinen tatsächlich in die Täler gestürzt sind. In einem gemeinsamen Projekt zeigen der Schweizerischen Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, dass seismische Messungen Abhilfe schaffen könnten.

Dazu gilt es aber einige Schwierigkeiten zu überwinden. Anders als Erdbeben weisen die Signale von Lawinen weder einen klaren Beginn noch verschiedene Wellenphasen auf. Mit gängigen seismischen Methoden lässt sich daher ein Lawinenniedergang nur schwer erkennen. Ausserdem leidet die Signalqualität darunter, dass die niedergehende Lawine kontinuierlich in Bewegung ist. Deshalb entwickelten Forschende des SED ein Computermodell, das diese Signale mit speziellen Methoden verarbeitet. Das Modell wurde an über 350 realen Lawinenniedergängen getestet, die das SLF oberhalb von Davos im Jahr 2012 erfasst hat.

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Das Computermodell registrierte automatisch über 90 Prozent aller Lawinenniedergänge. Um die Detektion zu verfeinern, wären eine grössere Anzahl an Sensoren sowie eine ausgefeiltere Anordnung der Messgeräte nötig. Letzteres möchte der SED in Zusammenarbeit mit dem SLF nun weiter untersuchen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Prognose der Lawinengefahr.

Publikation: Heck, M., Hammer, C., van Herwijnen, A., Schweizer, J., and Fäh, D.: Automatic detection of snow avalanches in continuous seismic data using hidden Markov models, Nat. Hazards Earth Syst. Sci., 18, 383-396, https://doi.org/10.5194/nhess-18-383-2018, 2018.

01.02.2018

Erneutes Erdbeben bei Bludenz (A)

Am Donnerstag, den 1. Februar 2018, hat sich um 02:47 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 4.1 ca. 10 km östlich von Bludenz ereignet. Bludenz liegt am nördlichen Ende des Montafon-Tals im Bundesland Vorarlberg in Österreich. Das Erdbeben wurde nach ersten Analysen ziemlich nahe an der Oberfläche lokalisiert, die Tiefe ist aber aufgrund der Entfernung zu den nächsten Messstationen nur sehr unsicher zu bestimmen. Bei einem Erdbeben dieser Stärke sind kleinere Schäden in der Nähe des Epizentrums nicht auszuschliessen.

 

Gemäss den Berichten, welche auf unserer Webseite in der ersten Stunde nach dem Erdbeben eingegangen sind, war das Erdbeben auch in Liechtenstein und in weiten Teilen der (Ost-)Schweiz, insbesondere in den Kantonen St. Gallen und Graubünden deutlich spürbar. Schäden sind in der Schweiz keine zu erwarten.

Dies ist das zweite deutlich verspürte Beben im Silvretta-Gebirge innerhalb der letzten zwei Wochen. Schon am 17. Januar 2018 hatte sich 13 km östlich von Bludenz ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.1 ereignet, das in der Schweiz (vor allem in der Ostschweiz) deutlich verspürt wurde.

25.01.2018

Erdbeben in der Schweiz im Jahr 2017: ein Rückblick

Das Jahr 2017 zeigte erneut, dass die Schweiz ein Erdbebenland ist. Es ereigneten sich zwei weiträumig verspürte Erdbeben mit Magnituden von über 4 und hunderten Nachbeben. Zudem konnte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich mehr kleine Beben als je zuvor aufzeichnen. Die Gesamtzahl registrierter Erdbeben im Jahr 2017 in der Schweiz und im grenznahen Ausland beläuft sich auf rund 1'230.

Am 3. März 2017 wurde die Schweiz vom stärksten Erdbeben seit mehr als zehn Jahren erschüttert. Das Beben mit einer Magnitude von 4.6 ereignete sich bei Urnerboden im Grenzgebiet von Uri, Schwyz und Glarus. Es wurde in weiten Teilen der Schweiz verspürt und verursachte in der Nähe des Epizentrums vereinzelt kleinere Gebäudeschäden sowie 100 Nachbeben. Das letzte stärkere Beben ereignete sich mit einer Magnitude von 4.9 am 8. September 2005 bei Vallorcine (Frankreich) nahe der Schweizer Grenze bei Martigny (VS). Zum zweiten weiträumig verspürten Erdbeben im Jahr 2017 kam es am 1. Juli bei Château-d’Oex (VD). Es hatte eine Magnitude von 4.3 und löste rund 240 Nachbeben aus, von denen einige ebenfalls spürbar waren.

Insgesamt registrierte und lokalisierte der SED im Jahr 2017 in der Schweiz und im grenznahen Ausland mit rund 1'230 Erdbeben mehr Ereignisse als je zuvor. Über 700 davon waren Mikrobeben mit Magnituden von kleiner als 1.0 bis -0.4. Solche Beben werden dank der Verbesserung des seismischen Messnetzes in einigen Teilen des Landes vermehrt „sichtbar“, was einen wichtigen Beitrag leistet, um Strukturen und Prozesse im Schweizer Untergrund besser zu verstehen. Die Anzahl der Beben mit Magnituden von 2.5 oder grösser entsprach mit 23 Ereignissen dem Durchschnitt der letzten 42 Jahre. Die Erdbebenaktivität konzentrierte sich vor allem auf das Wallis, Graubünden und das Gebiet entlang der Alpenfront.

Von der Bevölkerung teils deutlich verspürt wurden letztes Jahr ausserdem das Erdbeben bei Vallorcine (Frankreich) am 20. März (Magnitude 3.0), diejenigen in der Nähe von Sion (VS) am 2. Juni sowie 5. August (Magnituden 3.3 und 2.4) und dasjenige nahe Zug (ZG) am 21. November (Magnitude 3.3).

Schwankungen der Erdbebenhäufigkeit von Jahr zu Jahr sind normal und erlauben keine Aussage über die zukünftige Seismizität. Ein Schadenbeben mit einer Magnitude von 6 tritt in der Schweiz in der Regel einmal alle 50 bis 150 Jahre auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies im Jahr 2018 der Fall sein wird, liegt also bei etwa einem Prozent.

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Vergangene Jahresberichte

17.01.2018

Erdbeben bei Bludenz (A) auch in der Schweiz deutlich verspürt

Erdbeben bei Bludenz (A) auch in der Schweiz deutlich verspürt

Am Mittwoch, 17. Januar 2018 hat sich um 20:07 Uhr (Lokalzeit) ein Erdbeben der Magnitude 4.1 13 km östlich von Bludenz (Vorarlberg, Österreich) ereignet. Bludenz ist das nördliche Ende des 39 km langen Montafon-Tals. Das Erdbeben war nach ersten Analysen ziemlich oberflächennah, die Tiefe ist aber aufgrund der Entfernung zu den nächsten Messstationen nur sehr unsicher zu bestimmen. Kleinere Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Stärke in der Nähe des Epizentrums vereinzelt möglich.

Das Beben war auch in weiten Teilen der (Ost-)Schweiz, insbesondere im Raum St.Gallen (56 km Entfernung zum Epizentrum) deutlich spürbar.

Erdbeben sind im Silvretta-Gebirge keine Seltenheit. Bereits am 8. Januar 2018 hatte sich an der Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol ein leichtes Erdbeben mit einer Magnitude von 2.9 ereignet, das in der Region schwach verspürt wurde.