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Atomteststoppüberwachung

Im Jahr 1996 haben sich die Staaten der UNO darauf geeinigt, einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffensprengungen aufzulegen. Um die Einhaltung dieses Vertrages zu überprüfen, wurde ein internationales Überwachungssystem (IMS) eingerichtet. Das IMS umfasst seismologische, hydroakustische, Infraschall- und Radionuklid-Messstationen mit den jeweiligen Kommunikationsmitteln und wird durch das internationale Datenzentrum (IDC) des technischen Sekretariats betrieben.

Der SED leistet einen Beitrag, indem er die zuständige Behörde in Wien (CTBTO) mit Daten beliefert, die durch die eigens dafür errichtete seismische Station in der Region von Davos aufgezeichnet werden. An dieser Station wurden beispielsweise bereits zwölf Minuten nach dem Atomwaffentest im Januar 2016 in Nordkorea entsprechende Bodenerschütterungen registriert.

Erkunden Sie das internationale Überwachungssystem (IMS) auf der interaktiven Karte der CTBTO durch Klicken auf das Bild.

Die Vorbereitungskommission der Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization (CTBTO-Vorbereitungskommission) ist eine von den Unterzeichnerstaaten des Vertrages vom 19. November 1996 eingerichtete internationale Organisation. Sie führt die für die effiziente Umsetzung des Vertrages erforderlichen Vorbereitungsarbeiten aus.

Um die Einhaltung des Atomteststoppvertrages (CTBT) zu überwachen, wird ein globales Verifikationssystem aufgebaut. Das Verifikationssystem besteht aus folgenden Komponenten:

  • Internationales Überwachungssystem (IMS)
  • Internationales Datenzentrum
  • Beratungs- und Klärungsprozesse
  • Globale Kommunikationsinfrastruktur
  • Inspektionen vor Ort
  • Vertrauensbildende Massnahmen

Die Vorbereitungskommission hat zwei Untergremien: Arbeitsgruppe A (WG A) zu Verwaltungs- und Budgetfragen und Arbeitsgruppe B (WG B) zu Verifizierungsfragen sowie eine Beratungsgruppe für Finanzen und Budget und damit verbundene administrative Themen. Die Arbeitsgruppen legen Vorschläge und Empfehlungen vor, über die die Vorbereitungskommission auf ihren Plenarsitzungen berät und entscheidet.

Schauen Sie auf der interaktiven Karte der CTBTO, welche Länder das Abkommen bereits ratifiziert haben.

Die Verifikationsaktivitäten beim Schweizerischen Erdbebendienst erfolgen im Rahmen eines Auftrags, der uns gemeinsam vom Eidgenössischen Departement des Innern und dem Departement für auswärtige Angelegenheiten übertragen wurde. Gemäss diesem Auftrag sehen wir unsere Rolle wie folgt:

  • Betreiben der seismischen Hilfsstation DAVOX mit hoher Zuverlässigkeit und regelmässig kalibrierten Instrumenten.
  • Bereitstellung hochwertiger Daten über die AutoDRM-Schnittstelle auf Anfrage vom IDC; Dokumentation der Leistung durch geeignete Messungen.
  • Automatische Überwachung der Gesundheit unseres Datenarchivs und Benachrichtigung des diensthabenden Seismologen bei Erkennung eines Fehlers.
  • Bereitstellung von Know-how und Informationen aus erster Hand für die Schweizer Regierungsbehörden; Vertretung der Schweiz bei wissenschaftlichen und technischen Konferenzen der Unterzeichnerstaaten im Zusammenhang mit der Einrichtung und dem Betrieb der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization, CTBTO).
  • Pflege von Kontakten zu anderen nationalen Datenzentren (NDC) und zum internationalen Datenzentrum (IDC) zu Zwecken der Zusammenarbeit (wie gemeinsame wissenschaftliche Projekte, Wissenstransfer und Aufgabenteilung).

Hauptaktivitäten am Schweizerischen nationalen Datenzentrum (NDC)

Die Hauptaktivitäten am schweizerischen nationalen Datenzentrum im Zusammenhang mit der seismischen Verifikation betreffen die Qualitätskontrolle sowie angewandte Forschung zur Verbesserung des Datenaustausches, zur Unterscheidung zwischen Erdbeben und Explosionen und zu den Effekten verschiedener geografischer Koordinatensysteme.

Zudem beteiligen wir uns im Auftrag der Schweiz an Sitzungen der Arbeitsgruppe B am Vienna International Centre (VIC) in Wien.

Beteiligung der Schweiz an der Gruppe wissenschaftlicher Experten (GSE)

Von 1989 bis 1996 beteiligte sich die Schweiz an den Arbeiten der Gruppe wissenschaftlicher Experten (GSE) und war Mitglied verschiedener Arbeitsgruppen (und ist immer noch Mitglied der Arbeitsgruppe Planung der GSETT-3).

Die Abrüstungskonferenz hat die GSE mit der Entwicklung eines Systems zur Erkennung und Identifizierung seismischer Ereignisse beauftragt. Ein solches Versuchssystem ist seit dem 1. Januar 1995 in Betrieb (GSETT-3: Group of Scientific Experts' Technical Test 3). Im Jahr 1996 wurde das GSETT-3-Netz allmählich umgestaltet und dem IMS-Netz angenähert. Seit 1990 hat die GSE ein umfassendes Spektrum an Datenaustauschformaten entwickelt, die auch verbreitet Anwendung für andere seismologische Zwecke finden.

Vom 1. Januar 1995 bis zum 31. Mai 1996 war die 3-Komponenten-Station Alpnach (APL) Teil des GSETT-3-Hilfsnetzes. Im Jahr 1995 rief das internationale Datenzentrum (IDC) über AutoDRM insgesamt 9372 digitale Wellenformen (Seismogramme) von der Schweizer Station ab. Von Mitte April 1996 bis Mitte Februar 2002 war die designierte IMS-Hilfsstation in der Nähe von Davos (Code: DAVOX) Teil des GSETT-3-Netzes. Seit 2003 gehört die zertifizierte Station DAVOX zum internationalen Überwachungssystem (International Monitoring System, IMS).

Das seismische Netzwerk der CTBTO fügt sich aus 170 Seismometern in 76 Ländern zusammen. 50 dieser Seismometer beliefern das Datenzentrum in Wien rund um die Uhr mit Informationen zu seismischen Ereignissen (Erdbeben oder Explosionen). Eine davon, die Station DAVOX, betreut der Schweizerische Erdbebendienst.

Das Video erläutert auf Englisch, wie die seismische Überwachung der CTBTO funktioniert.

Der Begriff «Verifikation» bedeutet «überprüfen oder bestätigen, dass etwas ‚wahr‘ ist». Im Fall von nuklearen Explosionen bedeutet Verifikation, dass Fachleute den Behörden und der Öffentlichkeit mitteilen sollen, ob ein entdecktes Phänomen eine natürliche Ursache hatte oder von einer nuklearen Explosion hervorgerufen wurde. «Seismische Verifikation» bedeutet, dass die Unterscheidung zwischen Erdbeben und nuklearer Explosion (in der Regel eine unterirdische Nuklearexplosion) auf der Grundlage seismischer Signale erfolgt (die mit einem Seismometer gemessen werden).

Bau Station DAVOX

Januar 2002 Baubewilligungsantrag für Dischmatal und Strelapass
März 2002 Entscheidung für den Standort Dischmatal
April 2002 Baubewilligung
Juni 2002 Bauarbeiten: Gewölbe, Pfahlgründung, Telefonleitung
Juli 2002 Installation der technischen Einrichtungen; Aufnahme des Betriebs und der Datenübertragung an den SED in Zürich
August 2002 Einrichtung der Satellitenverbindung nach Wien
Sept. 2002 Hochfahren des CTBTO-Computers und Aufnahme der Datenübertragung nach Wien
Juli 2003 Abschluss der definitiven Gerätekonfiguration

Zertifikation und Eröffnung Station DAVOX

Inspektoren der CTBTO besuchten DAVOX vom 14. bis 15. Juli 2003, um zu überprüfen, ob alle technischen Aspekte der Station die Anforderungen des Betriebshandbuchs für Stationen (Station Operations Manual, CTBT/WGB/TL-11/21, 9. Januar 2003) erfüllten.

Am 22. August 2003 wurde die Station DAVOX als neunte von 120 seismischen Hilfsstationen des internationalen Überwachungssystems (IMS) zertifiziert. Die Aufnahme in den operativen Bestand des IDC erfolgte am 23. September 2003. Am 2. Oktober 2003 fand die offizielle Einweihung von DAVOX statt.

Über 2'000 nukleare Tests wurden bisher weltweit durchgeführt. Die nachfolgende Tabelle bietet eine Übersicht aller Länder, die nukleare Explosionen in der Atmosphäre, im Untergrund oder im Wasser durchgeführt haben.

Land Anzahl Tests Art
China

21

24

Explosion in der Atmosphäre

Explosion im Untergrund

Frankreich

45

153

Explosion in der Atmosphäre

Explosion im Untergrund

Indien 3 Explosion im Untergrund
Nordkorea 5 Explosion im Untergrund
Pakistan 2 Explosion im Untergrund
Sowjetunion

213

503

2

Explosion in der Atmosphäre

Explosion im Untergrund

Explosion unter Wasser

Vereinigtes Königreich

21

24

Explosion in der Atmosphäre

Explosion im Untergrund

USA

216

818

5

Explosion in der Atmosphäre

Explosion im Untergrund

Explosion unter Wasser

Unbekannt 1  

Klicken Sie auf das Bild, um auf der interaktiven Karte der CTBTO den Ort und die Art bisheriger nuklearer Explosionen zu erfahren.

Nuklearversuche Jahr Verträge

9. September: Nordkorea führt einen unterirdischen Atomtest durch

2016  

6. Januar: Nordkorea führt einen unterirdischen Atomtest durch

2016  
  2014 Die Unterzeichnung und Ratifizierung durch 44 Kerntechnik-Staaten ist erforderlich, damit der Vertrag in Kraft tritt. Bisher haben 41 dieser Staaten den Vertrag unterzeichnet, 36 haben ihn ratifiziert.
12. Februar: Nordkorea führt einen unterirdischen Atomtest durch 2013  
25. Mai: Nordkorea führt einen unterirdischen Atomtest durch 2009  
  2008 20. Mai: Bisher haben 178 von 193 Staaten den CTBT unterzeichnet, 144 haben ihn ratifiziert
  2007 31. Dezember: 244 von 321 IMS-Stationen wurden bereits gebaut, 214 wurden zertifiziert. 10 von 16 Radionuklidlabors wurden zertifiziert
9. Oktober: Nordkorea führt einen Atomtest in der Nähe von Punggye-ri durch 2006 31. Dezember: 244 von 321 IMS-Stationen wurden bereits gebaut, 184 wurden zertifiziert. 9 von 16 Radionuklidlabors wurden zertifiziert
10. Februar: Nordkorea teilt mit, dass es Atomwaffen besitzt 2005 31. Dezember: 219 von 321 IMS-Stationen wurden bereits gebaut, 156 wurden zertifiziert. 6 von 16 Radionuklidlabors wurden zertifiziert
  2004 31. Dezember: 204 von 321 IMS-Stationen wurden bereits gebaut, 109 wurden zertifiziert. 5 von 16 Radionuklidlabors wurden zertifiziert
  2003

31. Dezember: 150 von 321 IMS-Stationen wurden bereits gebaut, 83 wurden zertifiziert. 3 von 16 Radionuklidlabors wurden zertifiziert.

22. August: die Schweizer Station DAVOX wurde als neunte von 120 seismischen Hilfsstationen des internationalen Überwachungssystems (IMS) zertifiziert.

30. April: Mit Mauretanien erhält der Atomteststoppvertrag die hundertste Ratifizierung.

Indien führt am 11. und 13. Mai eine Reihe von 5 Nuklearexplosionen bei Pokhran in der Wüste Rajasthan durch.

Pakistan führt am 28. und 30. Mai eine Reihe von 6 Nuklearexplosionen in Belutschistan durch.

1998  
Frankreich und China führen ihre letzten Atomtests durch. 1996

Vertrag über eine kernwaffenfreie Zone in Afrika (Vertrag von Pelindaba).

24. September: der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT: Vertragstext, CTBTO) wird in New York zur Unterzeichnung freigegeben; 71 Staaten, darunter fünf Atommächte, unterzeichnen am selben Tag den Vertrag.

  1995 Vertrag über eine kernwaffenfreie Zone in Südostasien (Vertrag von Bangkok)
Die USA führen ihren letzten Atomtest durch 1992  
Grossbritannien führt seinen letzten Atomtest durch 1991  
Die Sowjetunion führt ihren letzten Atomtest durch 1990  
  1985 Vertrag über eine kernwaffenfreie Zone im Südpazifik (Vertrag von Rarotonga)
  1976 Vertrag über unterirdische Kernsprengungen für friedliche Zwecke (Peaceful Nuclear Explosions Treaty, PNE), der die Obergrenze für einzelne Nuklearexplosionen ausserhalb der Kernwaffenteststandorte auf 150 Kilotonnen festlegt, unterzeichnet von der Sowjetunion und den USA
Indien führt eine Nuklearexplosion bei Pokhran in der Wüste Rajasthan durch und gibt an, dass sie für «friedliche» Zwecke bestimmt war 1974 Vertrag über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche (Threshold Test-Ban Treaty, TTBT), der die Obergrenze für solche Tests auf 150 Kilotonnen festlegt, unterzeichnet von der Sowjetunion und den USA
  1968 Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), der Staaten ohne Kernwaffen verpflichtet, keine Kernwaffen oder andere Kernsprengkörper zu besitzen, herzustellen oder zu erwerben, und Staaten, die Kernwaffen besitzen, zur Auflage macht, Kernwaffen oder andere Kernsprengkörper nicht weiterzugeben, und sie auf das Ziel der nuklearen Abrüstung verpflichtet
  1967 Vertrag über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika und der Karibik (Vertrag von Tlatelolco)
China führt bei Lop Nor, Xinjiang, seinen ersten Atomtest durch 1964  
  1963 Partieller Teststopp-Vertrag (Partial Test Ban Treaty, PTBT), der Atomtests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, aber nicht im Untergrund verbietet, unterzeichnet von der Sowjetunion und den USA
Frankreich führt in der Nähe von Reggane in der Sahara-Wüste seinen ersten Atomtest durch 1960  
  1959 Antarktisvertrag, der die Entmilitarisierung und die Denuklearisierung der Antarktis festlegt
Grossbritannien führt auf den Montebello-Inseln vor der australischen Küste seinen ersten Atomtest durch 1952  
Die Sowjetunion führt in der Nähe von Semipalatinsk in Kasachstan ihren ersten Atomtest durch 1949  

Erster von den USA durchgeführter Atomtest bei Alamogordo, New Mexico, am 16. Juli.

Im August explodieren zwei Atombomben über Hiroshima und Nagasaki in Japan.

1945