Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich hat am Montagabend, 16. Februar 2026, kurz nach 22 Uhr ein Beben der Magnitude 2.1 in der Region Göschenen/Andermatt (UR) registriert. Das Beben ereignete sich in geringer Tiefe, in unmittelbarer Nähe der aktuellen Bohrposition der nördlichen Baustelle der zweiten Gotthard-Röhre. Es steht sehr wahrscheinlich in Zusammenhang mit Umlagerungen der Gebirgsspannungen im Zuge der Tunnelbauarbeiten. Der SED stuft das Erdbeben daher als induziert ein (von Menschen verursacht).
Für des Erdbeben vom Montag gingen beim SED ungefähr 30 Verspürtmeldungen ein. Alle stammen aus unmittelbarer Nähe der Gemeinde Andermatt. Dort wurde das Beben als starke Erschütterung wahrgenommen, begleitet von einem lauten Knall. Die verhältnismässig deutlichen Wahrnehmungen sind der geringen Tiefe und dem Auftreten des Bebens in den Nachtstunden geschuldet, in denen es allgemein ruhiger ist und Personen entsprechend wachsamer sind. Das Erdbeben ist bei einer makroseismischen Intensität von IV einzustufen. Schäden wurden keine gemeldet und sind bei einem Beben dieser Stärke auch nicht zu erwarten.
Kleine Erdbeben, die aufgrund von Spannungsumlagerungen im Berg- und Tunnelbau auftreten, sind nicht ungewöhnlich und bei Bergleuten bekannt. Diese Ereignisse weisen meist sehr kleine Magnituden auf und sind an der Oberfläche in der Regel nicht wahrnehmbar, können unter Umständen aber lokale Schäden an der Tunnelröhre verursachen. Bis an die Oberfläche wahrnehmbare Beben, wie jenes vom 16. Februar, sind somit die Ausnahme. Der SED wird die Seismizität im Gebiet weiterhin eng beobachten.
Der SED überwacht seit Ende 2024 den Bau der zweiten Röhre des Gotthard Strassentunnels im Auftrag des Bundesamts für Strassen (ASTRA) entlang der gesamten Tunnelachse. Der SED hat dazu lokal das seismische Netzwerk verdichtet. Ziel ist es kleine seismische Ereignisse, die im Zusammenhang mit den Arbeiten auftreten könnten, möglichst genau zu lokalisieren und erklären zu können. Nach der Detektion solcher Beben alarmiert der SED automatisch das ASTRA und die Bauleitungen, um diese beim sicheren Betrieb der Tunnelbaustellen zu unterstützen. Infolge der Alarmierung aufgrund des Bebens vom Montag überprüfte das ASTRA die Tunnelröhren. Es wurden keine sicherheitsrelevanten Einwirkungen festgestellt.