Mit etwas mehr als 1'800 registrierten Erdbeben wurde im Jahr 2025 die bis anhin zweithöchste Anzahl an Beben in der Schweiz und im grenznahen Ausland registriert. Die stärksten Ereignisse lenken den Blick auf Regionen, die nicht vorrangig mit Erdbeben in Verbindung gebracht werden und erinnern uns, dass die gesamte Schweiz ein Erdbebenland ist.
Das stärkste Beben im vergangenen Jahr trat am 21. Juli nahe Mürren (BE) mit einer Magnitude von 4.2 auf, begleitet von einigen Vor- und Nachbeben. Das Hypozentrum lag nahe der Erdoberfläche. Entsprechend wurde das Beben im Epizentralgebiet stark verspürt und weiter entfernt nur schwach wahrgenommen. Von den rund 700 beim Schweizerischen Erdbebendienst eingegangenen Verspürtmeldungen kam die Mehrheit aus dem Lauterbrunnen- und Kandertal sowie aus dem Gebiet rund um den Thunersee. Vereinzelte Berichte gab es bis in die Regionen von Basel und Zürich. Bereits im Vorjahr traten im selben Gebiet Beben auf. Die Bebenserie bei Mürren deutet auf eine flache, aktive Überschiebung am Nordrand des Aar-Massivs hin. Sie steht vermutlich im Zusammenhang mit anhaltenden tektonischen Prozessen im Bereich des Aar-Massivs und dessen geologischer Hebungsgeschichte im Zuge der Alpenbildung. Die Beben bei Mürren sind, vergleichbar mit dem Beben im Ochsenboden (SZ) im Jahr 2024, Ausdruck einer anhaltenden Verformung der helvetischen Decken. Sie zeigen, dass obwohl sich die Mehrheit der Beben in der Schweiz in grösseren Tiefen von 5 bis 20 Kilometern ereignen, tektonische Spannungen auch relativ nah an der Oberfläche auf Verwerfungen im Gestein wirken können und sich in Form von Erdbeben entladen.
Beben dieser Stärke und auch grössere Erdbebenschwärme sind nichts Ungewöhnliches für das Berner Oberland. Ebenso wenig die lokal ebenfalls gut verspürten Beben bei Herisau (AR) am 6. Dezember und bei Affoltern am Albis (ZH) am 30. Juli. Mit einer Magnitude von 3.1 respektive 3.0 verdeutlichen sie, dass auch in seismisch weniger aktiven Gebieten immer wieder Beben auftreten. Sie sind eine Folge fortlaufender Verschiebungen entlang verschiedener Störungszonen im kristallinen Grundgebirge im Bereich des Molassebeckens, welches sich über das Schweizer Mittelland erstreckt. Nur im Engadin und der Landschaft Davos verspürt wurde das zweitgrösste Beben im Jahr 2025 vom 2. September beim Reschensee (Südtirol) unweit der Schweizer Grenze, obwohl es mit einer Magnitude von 3.8 einiges stärker war.
Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr 28 Erdbeben mit einer Magnitude von 2.5 oder grösser. Die meisten Beben dieser Stärke sind für die Bevölkerung spürbar. Damit liegt die Anzahl solcher Beben leicht über dem Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre von 24 Beben mit einer Magnitude von 2.5 oder grösser.
Wie bereits in den Vorjahren trugen mehrere Erdbebenschwärme zur hohen Anzahl registrierter Erdbeben bei. Besonders aktiv war erneut das Gebiet rund um die Grandes Jorasses im Mont-Blanc-Massiv, wo rund 400 Erdbeben registriert wurden. Die dortige Aktivität folgt einem bereits zuvor beobachteten saisonalen Muster mit einem Anstieg der Seismizität im Herbst. Als Ursache gilt der zunehmende Einfluss des Klimawandels im Hochgebirge. Hitzewellen lassen den Permafrost auftauen und beschleunigen die Gletscherschmelze. Dadurch verändern sich die Wege, durch die das Schmelzwasser versickert, was den Porenwasserdruck bis in tiefe Gesteinsformationen beeinflusst und die Spannungsverhältnisse im Untergrund verändert. Ausdruck dieser Prozesse ist eine verstärkte Erdbebenaktivität in Regionen, in denen bisher eine geringere Erdbebenaktivität beobachtet wurde (siehe “Gletscherschmelze erhöht Erdbebenaktivität unter dem Mont-Blanc-Massiv").
Darüber hinaus setzte sich der Erdbebenschwarm bei Réclère (JU) mit 100 aufgezeichneten Beben fort, schwächte sich jedoch gegen Jahresende ab. Lokale Verdichtungen des Messnetzes erlauben es, den Schwarm detailliert zu charakterisieren und wichtige Hinweise auf die tektonischen Prozesse am Nordrand des Juras zu gewinnen. Weitere Schwärme traten unter anderem in den Walliser Alpen, bei Fribourg (FR) sowie im deutschen Grenzgebiet in der Region Hegau sowie bei Aosta (Italien) auf.
Neben Erdbeben erfasste das seismische Netzwerk im vergangenen Jahr auch über 400 Sprengungen in Steinbrüchen. Darüber hinaus wurden 41 Massenbewegungen automatisch erfasst (siehe “Liste der Massenbewegungen”). 31 dieser Ereignisse wurden als Hangrutschungen oder Felsstürze von externen Quellen bestätigt. Das grösste dieser Ereignisse war der katastrophale Gletscherabbruch beim Kleinen Nesthorn, der im Mai das Dorf Blatten (VS) zerstörte.
Anzahl Erdbeben mit Magnituden von 2.5 oder grösser pro Jahr
Grösste gemessene Magnitude pro Jahr
Alle aufgezeichneten Erdbeben von 1975 bis 2025 und den historischen Erdbeben der Schweiz