12.12.2025

Deckung von Erdbebenschäden in der Schweiz

In der Schweiz sind derzeit nur etwa 15 Prozent der Gebäude gegen Erdbebenschäden versichert. Um diese Lücke zu schliessen, diskutiert das Parlament die Einführung einer sogenannten Eventualverpflichtung (EVV). Die EVV sieht vor, dass im Falle eines schadenbringenden Erdbebens alle Eigentümerinnen und Eigentümer solidarisch bis zu 0.7 Prozent ihres Gebäudeversicherungswerts einzahlen, um die anfallenden Kosten zu tragen. 

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich hat auf Basis des Erdbebengefährdungs- und des Risikomodells der Schweiz untersucht, wie häufig eine Auslösung der EVV zu erwarten wäre, welche Kosten dabei entstünden und wie diese im Vergleich zu privaten Versicherungslösungen (PVL) ausfallen würden. Der SED hat seine Kenntnisse erstmals an einer Sitzung der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats präsentiert und nun in einem kurzen Bericht aufbereitet.

Die zu erwarteten Kosten von Gebäudeschäden in der Schweiz aufgrund von Erdbeben betragen im Mittel 246 Mio. CHF pro Jahr. Über die durchschnittliche Lebensdauer eines Gebäudes von 50 Jahren betrachtet, entspricht dies rund 12.3 Mrd. CHF. Diese Werte sind einzelnen Jahren geschuldet, in denen starke Beben grosse Schäden verursachen. Das erklärt auch, weshalb in den meisten Jahren inklusive der vergangenen 50 Jahre keine grösseren Kosten angefallen sind. Seit 1295 betrug der längste Abstand zwischen zwei grossen Beben 168 Jahre, der kürzeste 17 Jahre.

Innerhalb von 50 Jahren müsste durchschnittlich etwa fünfmal mit einer Auslösung der EVV gerechnet werden. In diesem Zeitraum besteht eine Wahrscheinlichkeit von etwa 10 Prozent, dass Schäden von 22 Mrd. CHF oder mehr entstehen und somit der maximale Beitrag von 0.7 Prozent des Versicherungswerts einzubezahlen wäre.

Für ein Gebäude mit einem Versicherungswert von 800'000 CHF entstünden Kosten von rund 4'600 CHF. Das entspricht einer mittleren jährlichen Belastung von 92 CHF. Aktuell angebotene Versicherungslösungen kosten im Vergleich dazu 3.5-mal mehr. Für ein Jahr liegen die zu erwartenden Kosten von PVL bei 333 CHF. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter und Standort teils stark.

Der Vergleich unterliegt einigen Annahmen und Einschränkungen, die in den detaillierten Ausführungen zu den Berechnungen beschrieben sind. Dazu gehören unter anderem die Gemeinkosten, auch Overhead Kosten genannt, die in den PVL bereits enthalten sind und bei der EVV hinzukommen. Die Schätzungen dieser Kosten für ein grösseres Ereignis variieren stark. 

Detaillierte Ausführungen zum Vergleich sind im nachfolgend verlinkten Bericht beschrieben und offengelegt (auf Deutsch): Kostenvergleich Deckung von Erdbebenschäden in der Schweiz