Ursachen für Erdbeben im Wallis

Grundsätzlich werden Erdbeben durch den plötzlichen Abbau von Spannungen in der Erdkruste verursacht. Diese Spannungen werden durch grossräumige Kontinentalbewegungen hervorgerufen. Wenn sie die Festigkeit des Gesteins überschreiten, kommt es entlang vorhandener Schwächezonen im Untergrund zu einem plötzlichen Bruch, der die an der Erdoberfläche wahrgenommenen Erdbebenwellen auslöst. Die moderne Seismologie erlaubt es, Rückschlüsse über die verursachenden Spannungen aus den Erdbebenbeobachtungen zu ziehen und somit regionale Unterschiede des Spannungsfeldes abzuleiten.

Im Nordwallis, wie auch im nördlichen Alpenvorland entsprechen diese Spannung denjenigen, die aus der Öffnung des Atlantiks und der Kollision zwischen Afrika und Europa zu erwarten sind und auch für die Entstehung der Alpen verantwortlich sind. In den südlichen Walliser Alpen hingegen sind die Erdbeben meist Zeugen einer Dehnung: Sie ist das Resultat einer Überlagerung von Spannungen, die der andauernden Kollision zwischen Afrika und Europa entsprechen, und von Ausgleichsspannungen, die durch die Topographie der Alpen und ihrer Wurzel bedingt sind. Offensichtlich haben sich die Spannungsverhältnisse in der Erdkruste über die Jahrmillionen geändert.