Das Königreich Bhutan liegt im östlichen Himalaya. Seine geographische Abgeschiedenheit unterstreicht das Land durch eine selbstbestimmte Isolation: Ausländer dürfen das Land nur in begrenzter Anzahl und unter Führung lokaler Reisebüros besuchen. Diese Einschränkungen zielen darauf ab, die Traditionen und die kulturelle Unberührtheit zu bewahren. Sie haben den Nebeneffekt, dass verglichen mit den umliegenden Gebieten, wenig über die Beschaffenheit des geologischen Untergrunds von Bhutan bekannt ist.
Bhutan stellt daher weltweit einer der wenigen blinden Flecken dar, wo kaum Kenntnisse über die seismische Gefährdung vorliegen. Dies trotz seiner Lage im Himalayagebirge, das aufgrund des fortwährenden Zusammentreffens zweier Kontinentalplatten jährlich um etwa zwei bis vier Zentimeter wächst. In solchen Gebieten herrscht in der Regel eine erhöhte Erdbebengefährdung. Davon zeugt eine Vielzahl stärkerer Erdbeben, die grosse Regionen im Himalaya verwüsteten. Davon ausgenommen waren in den vergangenen 120 Jahren der Westen Nepals sowie Bhutan. Dies wirft die Frage auf, ob in diesen Gebieten tatsächlich eine tiefere Erdbebengefährdung herrscht, oder ob es in diesem Zeitraum aussergewöhnlich ruhig war.