14.08.2013

Die Bestimmung der Erdbeben-Magnitude für die Beben bei dem Geothermieprojekt St. Gallen war bisher nur für wenige etwas stärkere Ereignisse möglich. Der Grossteil der Ereignisse war so klein, dass sie nur an wenigen nahen Stationen aufgezeichnet wurden. Die Signale sind daher stark von lokalen Gegebenheiten beeinflusst und lassen keine verlässliche Magnitudenberechnung zu.

Für die Beben bei St. Gallen hat der SED daher bisher als Mass der Grösse der Ereignisse den Logarithmus der Signalstärke (log10(Amplitude)) an der Bohrloch-Station SGT00 verwendet (Abbildung links). Die Werte wurden dabei auf die Magnitude des stärksten Bebens (ML 3.5) normiert, die verlässlich an den Stationen des nationalen Messnetzes bestimmt werden konnte.

Mit den am Geothermieprojekt St. Gallen gewonnenen Daten konnte nun die Magnitudenberechnung speziell für die Stationen des St-Gallen Netzwerks kalibriert werden, so dass ab jetzt verlässliche lokale Magnituden auch für die kleinen Beben an der Geothermiebohrung bestimmt werden können (Abbildung rechts). In Zukunft werden diese Magnitudenwerte für die Abbildungen verwendet.

Mit der neuen Kalibration der Magnituden wird klar, dass der SED am Geothermiprojekt St Gallen nicht nur das bisher grösste induzierte Beben in der Schweiz aufgezeichnet hat, sondern auch die bisher kleinsten in der Schweiz registrierten Erdbeben lokalisierte. Diese Beben haben Magnituden bis hinab zu ML -1 und fanden auf Bruchflächen mit wenigen Dezimetern Durchmesser statt. (Ereignisse mit Magnituden kleiner als -1 werden zwar erfasst, können aber nicht mehr genau lokalisiert werden.)

Erdbeben dieser Grössenordnung schliessen die Lücke zwischen Laborversuch und natürlicher Seismizität und helfen, die Physik von Erdbeben besser zu verstehen und Erdbebenmodelle zu verbessern.

Die kalibrierten Lokal-Magnituden sind etwas kleiner als die standardmässig berechneten Magnitudenwerte für die grösseren St. Galler Ereignisse, daher ergeben sich im Moment leichte Differenzen zwischen den Werten in den Erdbebenlisten und denen in den Abbildungen.