26.07.2013

Die seismische Aktivität hat in den vergangenen Tagen weiter abgenommen. Bis zum heutigen Tag registrierte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) mehr als 550 Erdbeben, wobei neben dem Hauptbeben mit Magnitude 3.6 (am 25.07.2013 auf Magnitude 3.5 angepasst) nur zwei genug stark waren, um von der Bevölkerung möglicherweise verspürt zu werden. Für die kommenden Tage erwarten wir einen weiteren Rückgang der Bebenaktivtäten, wobei erneute, stärkere Beben nach wie vor nicht auszuschliessen sind.

Nach ersten Analysen der Nachbebensequenz lässt sich feststellen, dass die seismische Aktivität ähnlich abnimmt, wie dies von tektonisch (natürlich) ausgelösten Beben bekannt ist. Etwa zwei Drittel der zu erwartenden Nachbeben sind bereits aufgetreten. Gemäss unserer Einschätzung liegt die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres, spürbares Erdbeben bei ungefähr 10 bis 30 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in nächster Zeit ein Beben mit ähnlich grosser oder grösserer Magnitude wie das bisherige Hauptbeben vom 20. Juli 2013 ereignet, beträgt zwei bis fünf Prozent.

Diese Erkenntnis sowie weitere, vorläufige Ergebnisse der ersten Untersuchungen präsentierte der SED am Freitag 26. Juli 2013 den Verantwortlichen in St. Gallen. Die Analysen des SED konzentrieren sich darauf, im Detail zu verstehen, welche Prozesse der beobachteten Seismizität zugrunde liegen, um daraus möglicherweise Prognosen für den weiteren Verlauf dieser und anderen Bebensequenzen abzuleiten. Daneben werden Vergleiche mit seismischen Daten erstellt, die im Rahmen anderer Geothermieprojekt erfasst worden sind.

Aus dem Erdbebenkatalog der Schweiz (ECOS-09) ist bekannt, dass sich in der Region St. Gallen in der Vergangenheit einige tektonische Erdbeben ereignet haben. Die meisten Erdbeben im Raum St. Gallen waren relativ schwach, lediglich drei Beben sind bekannt, die Schäden angerichtet haben: Jenes bei Niedersommeri, das sich am 11.08.1771 ereignete und eine Magnitude von 5.1 aufwies sowie zwei mit einer Magnitude von 4.7, eines 20.12.1720 bei Arbon und das andere 29.10.1835 bei Abtwil. Weil die Angaben zu diesen Beben aus historischen Dokumenten stammen, sind die Ortsangaben und Erdbebenparameter mit einigen Unsicherheiten behaftet.