Verletzbarkeit der Gebäude

Die Verletzbarkeit beschreibt, welche Schäden Gebäude bei bestimmten Erdbebenstärken erleiden. Für das Erdbebenrisikomodell wurde die Verletzbarkeit für unterschiedliche, repräsentative Gebäudearten aufgrund ihrer Eigenschaften abgeleitet und in sogenannte Verletzbarkeitsklassen eingeteilt. Der Gebäudebestand wurde auf dieser Basis ausgehend von einfachen Merkmalen wie der Anzahl Stockwerke oder der Bauperiode statistisch diesen Klassen zugeordnet. Zusammen mit Angaben zu den betroffenen Personen und Werten lassen sich die Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die finanziellen Verluste bestimmen. Letztere sind ausgedrückt als Anteil der Wiederherstellungskosten der Gebäude. Die Mehrheit der Schweizer Gebäude wurde nicht gemäss den heute geltenden Baunormen für eine erdbebengerechte Bauweise gebaut.

Eine Klassierung der Verletzbarkeit der bestehenden Gebäude nach Baumaterialien ist nicht zielführend. Für jede Bauweise lassen sich gute und schlechte Beispiele bezüglich ihres Verhaltens bei Erdbeben finden. Massgebend für die Verletzbarkeit ist in erster Linie die Konzeption des Tragwerks. Beispielsweise hat ein Gebäude mit kontinuierlichen aussteifenden Wänden, die vom Dach bis zum Fundament ohne Unterbruch laufen, eine viel kleinere Verletzbarkeit als ein ähnliches Gebäude, bei dem die aussteifenden Wände im Erdgeschoss unterbrochen und durch Stützen ersetzt werden. Diese klassische Schwachstelle, die «soft storey» genannt wird, ist ein Hinweis auf eine sehr ungenügende Erdbebensicherheit. Ältere Mauerwerksgebäude mit Holzbalkendecken können auch besonders verletzbar sein, wenn das Mauerwerk von schlechter Qualität ist und die Fassaden nicht genügend mit den Decken und Wänden in der Querrichtung verbunden sind.