Ausland

Fatah erklärt US-Vize Pence für „nicht willkommen“

Nach der umstrittenen Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump sieht sich US-Vizepräsident Mike Pence mit der möglichen Absage für ein noch im Dezember geplantes Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem konfrontiert.

Dem ranghohen Fatah-Mitglied Dschibril Radschub zufolge wird es in diesem Monat anders als geplant kein Treffen zwischen Pence und Abbas geben. „Solch ein Treffen wird nicht stattfinden“, sagte Radschub gestern. Pence sei „in Palästina nicht willkommen“.

Pence will vor Weihnachten nach Ägypten, Israel und in die Palästinensergebiete reisen. Das Weiße Haus in Washington erklärte, eine Absage des geplantes Treffens mit Abbas sei „kontraproduktiv“. Pence habe „weiter die Absicht, Herrn Abbas wie geplant zu treffen“, sagte ein US-Regierungssprecher AFP.

Russland und Erdogan „sehr besorgt“

Unterdessen versicherte das US-Präsidialamt, die Entscheidung über die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt sei kein Signal dafür, dass die USA sich aus dem Nahost-Friedensprozess zurückziehen. Die USA seien der einzige Staat, der Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkenne. Man wisse von keinem anderem Land, das das plane, verlautete außerdem aus dem Weißen Haus.

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan äußerten sich in einem Telefonat „sehr besorgt“ über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump bezüglich Jerusalem. Es dürfe keine weitere Eskalation der Spannungen im Nahen Osten geben, darüber seien sich Putin und Erdogan einig, erklärte das Präsidialamt in Moskau.

Aufruf zu neuer Intifada

Auf Trumps Jerusalem-Entscheidung folgte bereits der Aufruf zu einem neuen Palästinenseraufstand (Intifada) durch die radikalislamische Hamas. Hamas-Chef Ismail Hanija forderte zur „Befreiung Jerusalems“ auf. Israel hat seine Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, weil nach den Freitagsgebeten neue Unruhen befürchtet werden.

Angesichts der Angst vor einem neuen Gewaltausbruch in der Region ist für heute eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates angesetzt.

Mehr dazu in Israels Armee verstärkt Präsenz

US-Repräsentantenhaus stimmt für Übergangshaushalt

Der US-Kongress hat einen ersten Schritt unternommen, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit der Regierung abzuwenden. Das Repräsentantenhaus stimmte gestern mehrheitlich für einen Übergangshaushalt, der bis zum 22. Dezember die Finanzierung sicherstellen würde.

In dieser Zeit sollen die Abgeordneten eine langfristige Lösung ausarbeiten. Die Vorlage muss allerdings noch den Senat passieren. Dort verfügen die Republikaner von Präsident Donald Trump nur über eine kleine Mehrheit, sodass sie auf Stimmen der Demokraten angewiesen sind.

Trump traf sich vor der Abstimmung mit den demokratischen Minderheitenführern beider Kammern. Sollte der Kongress bis heute Mitternacht (US-Zeit) keine Einigung erzielen, droht die Zahlungsunfähigkeit.

„Brexit“-Verhandlungen: „Noch nicht ganz am Ziel“

Die Europäische Union und Großbritannien versuchen einen neuen Anlauf zur ersten „Brexit“-Grundsatzeinigung. Ein Kompromiss könnte heute Früh stehen, teilte die EU-Kommission gestern Abend mit. „Wir machen Fortschritte, aber sind noch nicht ganz am Ziel“, schrieb Kommissionssprecher Margaritis Schinas auf Twitter.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe mit dem irischen Regierungschef Leo Varadkar und anschließend mit der britischen Premierministerin Theresa May gesprochen, fügte Schinas hinzu. Auch Mays Büro bestätigte Gespräche der Regierungschefin mit Varadkar und Juncker. Zuvor hatte EU-Ratspräsident Donald Tusk für 7.50 Uhr eine Erklärung zum „Brexit“ angekündigt und Spekulationen über eine nahende Einigung ausgelöst.

Frist läuft ab

Die EU und Großbritannien verhandeln seit Juni über die Bedingungen des für 2019 geplanten britischen EU-Austritts. Am Montag scheiterte der Versuch, erste Kompromisse festzuzurren. Wichtigster Streitpunkt ist die Frage, wie Grenzkontrollen zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland vermieden werden können. Mays Partner im Parlament, die nordirische Partei DUP, hatte eine von Brüssel und London vereinbarte Kompromissformel abgelehnt.

Die EU hat May bis Sonntag Zeit gegeben, um eine erste Abmachung unter Dach und Fach zu bringen. Gelingt das, könnte der EU-Gipfel Ende nächster Woche die zweite Verhandlungsphase einläuten. Dann soll es um die künftige Partnerschaft beider Seiten gehen. Ein solcher Fortschritt wäre vor allem ein wichtiges Zeichen an die Wirtschaft, die schwere Turbulenzen durch einen ungeordneten „Brexit“ fürchtet.

SPD-Parteitag gibt grünes Licht für Gespräche mit Union

SPD-Chef Martin Schulz erhält grünes Licht für Gespräche mit der Union über die Bildung einer deutsche Regierung. Ein Bundesparteitag beschloss gestern in Berlin, dass die Parteispitze ergebnisoffene Gespräche führen solle ohne Vorfestlegungen und ohne jeden Automatismus. Schulz wurde anschließend als SPD-Chef mit 81,9 Prozent der Stimmen bestätigt.

SPD-Chef Martin Schulz

Reuters/Axel Schmidt

Auf Linie der Parteiführung

Die SPD fühle sich „verpflichtet, in Gesprächen auszuloten, ob und in welcher Form die SPD eine neue Bundesregierung mittragen kann“, heißt es in dem SPD-Beschluss zur Aufnahme von Gesprächen. Der Parteitag folgte mit deutlicher Mehrheit der Linie der Parteiführung. Schulz hatte in seiner Grundsatzrede eindringlich für diese Linie geworben. Der Beschluss stellt aber klar, dass es für die Sozialdemokraten „keine Vorfestlegungen und keinen Automatismus“ gibt.

Die CDU begrüßte die Entscheidung. „Ziel der Union ist und bleibt es, eine verlässliche und stabile Regierung für unser Land zu bilden“, erklärte CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler. „Die CDU wird nun in einer Sitzung des Bundesvorstandes am Sonntag und Montag über das weitere Vorgehen beraten.“

„Mit ihrer Entscheidung macht die SPD einen ersten Schritt aus der Schmollecke“, so CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. „Ich erwarte jetzt echte Offenheit für Gespräche. Es darf nicht sein, dass die SPD vordergründig grünes Licht gibt und hintenherum mit roten Linien blockiert.“

Sonderparteitag soll über Verhandlungen entscheiden

Aus der SPD war im Vorfeld des Entschlusses verlautet, dass Gespräche mit den Spitzen von CDU und CSU in der kommenden Woche stattfinden könnten. Der SPD-Vorstand soll dann am 15. Dezember die bis dahin geführten Gespräche bewerten und eine Empfehlung aussprechen. Nach Sondierungen soll dem Beschluss zufolge ein Sonderparteitag über die Aufnahme von Verhandlungen entscheiden. Vertragliche Vereinbarungen müssen am Ende von den Mitgliedern gebilligt werden.

Kurzfristig aufgenommen wurde eine Passage, in der ausdrücklich festgehalten wird, dass die Unterstützung einer Minderheitsregierung ebenso eine ernstzunehmende Option darstellt wie die Aufnahme von Gesprächen über eine Regierungskoalition.

Die „essenziellen“ Forderungen der SPD

In dem Beschluss werden zahlreiche Forderungen formuliert, die die SPD als „essenziell“ ansieht. Dazu gehören die Einführung einer Bürgerversicherung, ein System europäischer Mindestlöhne, die Stabilisierung des Pensionsniveaus und mehr Investitionen in Bildung, schnelles Internet, bessere Straßen und sozialen Wohnraum. Höhere Einkommen sollen mit einem größeren Beitrag zur Finanzierung gemeinsamer Aufgaben herangezogen werden. Auch soll die Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz nicht verlängert werden.

Simbabwe: Weiße Farmer erhalten enteignetes Land zurück

Die neue Regierung in Simbabwe hat gestern angeordnet, beschlagnahmtes Land an einen weißen Farmer zurückzugeben. Robert Smart, der auf seiner Farm in Makoni im Osten des Landes Tabak und Mais anbaute, war im Juni von seinem Hof vertrieben worden. Sein Land erhielt der Geistliche Trevor Manhanga, ein Unterstützer des damaligen Präsidenten Robert Mugabe.

Wie ein Berater des neuen Staatschefs Emmerson Mnangagwa mitteilte, hatte Smart bereits im Zuge der umstrittenen Landreform unter Mugabe einen Teil seines Landes abgetreten. Anhänger von Mugabes Frau Grace in der Regierungspartei Zanu-PF hätten dann aber eine gegen Weiße gerichtete Kampagne gestartet, um Smart zur vollständigen Räumung seiner Ländereien zu zwingen.

Über 4.000 Farmer enteignet

Mnangagwa trat im November nach einem Eingreifen des Militärs die Nachfolge des 93-jährigen Mugabe an. Dieser hatte das ehemalige Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien geführt. Er war zunächst Regierungschef, bevor er 1987 Präsident wurde. Mugabes Gegner kritisierten seinen zunehmend autoritären Regierungsstil und machten ihn für die grassierende Misswirtschaft in dem südafrikanischen Land verantwortlich.

Unter Mugabe hatte im Jahr 2000 eine Enteignungswelle begonnen, in deren Zuge mehr als 4.000 der 4.500 weißen Farmer des Landes mit Unterstützung des Staates enteignet und teilweise gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden. Das offizielle Ziel der Landreform war, aus der Kolonialzeit resultierende Ungerechtigkeiten zu beenden. Nach Angaben von Kritikern profitierten jedoch vor allem Mugabe-Anhänger von der Umverteilung. Die landwirtschaftliche Produktion des Landes brach zusammen.

Mnangagwa will nun die am Boden liegende Wirtschaft Simbabwes ankurbeln. Er versprach zudem, zu Unrecht enteignete weiße Farmer zu entschädigen.

OSZE-Treffen zeigt verhärtete Fronten USA - Russland

Beim OSZE-Ministerrat in Wien unter dem Vorsitz von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) ist es zu keiner Annäherung zwischen Russland und den USA in Sachen Ukraine gekommen. Die Fronten zwischen US-Außenminister Rex Tillerson und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow sind weiterhin verhärtet. Tillerson warf Russland vor, Separatisten auszubilden und mit Waffen zu versorgen. Lawrow hielt indes der NATO eine „rücksichtslose Expansion in Europa“ vor. Tillerson kann sich ob der Krise jedoch ein Spitzentreffen der beiden Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin in Wien vorstellen.

Mehr dazu in Kurz warnt vor neuer Krise

Inland

Grasser mit Ablehnungsantrag gegen Richterin abgeblitzt

Ein Schritt näher zum für Dienstag geplanten Prozessbeginn gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und weitere Angeklagte: Der Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien hat gestern den Ablehnungsantrag Grassers gegen Richterin Marion Hohenecker mit Beschluss abgelehnt. Grasser hatte behauptet, die Richterin sei wegen Twitter-Kommentaren ihres Ehemanns zu der Causa befangen.

Mehr dazu wien.ORF.at

Studiengebühren: ÖH-Vorschlag für Befreiung

Ein Auslaufen der Regelung zur Studiengebührenbefreiung für berufstätige Langzeitstudierende befürchtet die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) aufgrund eines Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs (VfGH). Wird das Gesetz nicht bis 30. Juni 2018 repariert, müssten betroffene Studierende ab dem Wintersemester 2018/19 zahlen. Die ÖH macht nun einen Vorschlag zur Gesetzesänderung.

Hintergrund der bereits im Dezember 2016 getroffenen VfGH-Entscheidung ist eine Beschwerde einer sowohl selbstständig als auch unselbstständig berufstätigen Langzeitstudentin der Uni Wien. Derzeit sind grundsätzlich alle Universitätsstudenten aus Österreich und der EU innerhalb der Mindeststudienzeit plus zwei Semestern von der Zahlung von Studiengebühren befreit. Trotz Überschreitung dieser Zeit ebenfalls nicht zahlen müssen neben zahlreichen weiteren Ausnahmen auch berufstätige Studierende.

Von VfGH aufgehoben

Als berufstätig gilt allerdings nur, wer Gesamteinkünfte in Höhe der 14-fachen Geringfügigkeitsgrenze (knapp 6.000 Euro im Jahr) vorweist. Das konnte die betroffene Studentin nicht, weil sie im Rahmen einer Gewinn- und Verlustrechnung bzw. nach Abzug von Sonderausgaben in ihrem Steuerbescheid sogar einen negativen Gesamtbetrag an Einkünften aufwies.

Das hob der VfGH wegen Gleichheitswidrigkeit auf, weil nach den Intentionen des Gesetzes die Befreiung jenen Studierenden zugutekommen soll, die aufgrund ihrer beruflichen Belastung weniger Zeit für ihr Studium aufwenden - unabhängig davon, ob sie steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzen oder nicht.

„Nun ist Regierung am Zug“

Alle Fraktionen der ÖH-Bundesvertretung haben nun in Zusammenarbeit mit einer Anwaltskanzlei dem Wissenschaftsministerium einen Änderungsentwurf für den von dem VfGH-Erkenntnis betroffenen Paragrafen 92 des Universitätsgesetzes (UG) vorgelegt.

„Dass hier alle Fraktionen an einem Strang ziehen, zeigt, wie wichtig dieses Thema für alle Studierenden ist“, so die ÖH-Vorsitzende Johanna Zechmeister in einer Aussendung. Man habe es geschafft, „einen verfassungskonformen Vorschlag zu formulieren, der direkt übernommen werden kann. Nun ist die Regierung am Zug“, so Zechmeister, die erneut darauf hinwies, dass die Exekutive der Bundes-ÖH weiter „allgemein gegen die Einhebung von Studienbeiträgen“ auftrete.

Sport

Europa League: Salzburg bleibt ungeschlagen

Gruppensieger Red Bull Salzburg hat heute ungeschlagen das Sechzehntelfinale der Europa League erreicht. Am sechsten und letzten Spieltag der Gruppe I kam die Mannschaft von Trainer Marco Rose bei Olympique Marseille allerdings über ein torloses Unentschieden nicht hinaus. Den Franzosen, die sich an Salzburg-Goalie Alexander Walke die Zähne ausbissen, reichte das jedenfalls für den zweiten Gruppenrang und damit für den Aufstieg.

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Ski alpin: Kirchgasser greift in Kombination an

Rund neun Monate nach ihrer WM-Bronzemedaille in der Kombi kehrt Michaela Kirchgasser mit hohen Erwartungen nach St. Moritz zurück. Noch dazu steht heute die erste Weltcup-Kombination dieser Saison auf dem Programm. Die Salzburgerin fühlt sich bereit. Besonders im Super-G-Training habe sich Kirchgasser zuletzt von „ganz guter Seite präsentiert“. Das Favoritinnenfeld in der Kombi ist allerdings groß.

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Wirtschaft

Bis zu 2.000 Prozent Inflation in Venezuela befürchtet

Venezuela steuert 2017 aus Sicht des Parlamentsfinanzausschusses infolge der Wirtschaftskrise auf eine Inflationsrate von bis zu 2.000 Prozent zu. „Wir haben die größte Inflation der Geschichte - getrieben von einem Rückgang der Produktion, steigenden Preisen und einer Erhöhung der Geldmenge“, sagte der Abgeordnete Angel Alvarado gestern.

Die Prognose wurde von den Finanzexperten der von der Opposition kontrollierten Nationalversammlung errechnet. Die sozialistische Regierung veröffentlicht seit Jahren keine Berichte zur Teuerungsrate. Venezuela verzeichnet aber mit Abstand die höchste Inflation der Welt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet derzeit mit einer Teuerungsrate von 652,7 Prozent, für das kommende Jahr prognostiziert er 2.350 Prozent. Wegen Misswirtschaft, Korruption und des relativ niedrigen Ölpreises leidet Venezuela seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Es fehlt an Devisen, um Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Mehrere Ratingagenturen bescheinigen dem ölreichsten Land der Welt bereits eine Teilpleite.

Analysten ratlos vor Bitcoin-Börsengang am Sonntag

Der Hype um den bevorstehenden Börsengang der digitalen Währung Bitcoin am Sonntag ließ den Kurs in den letzten Tagen völlig durch die Decke gehen. Dabei werden Bitcoins derzeit nur an den Online-Börsen für Krypto-Währungen gehandelt. Ab Sonntag kann an der Warenterminbörse Cboe damit spekuliert werden. Eine Woche später steigt auch die weltweit größte Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) in den Handel ein.

Damit sind Bitcoins endgültig in der Welt des Finanzkapitals angekommen und immer mehr Parallelen zur Dotcom-Blase der Jahrtausendwende werden sichtbar. Prognosen, was passieren wird, wenn die Profihändler statt auf Schweinebäuche oder Öl auf Bitcoins wetten, sind absolute Mangelware.
Einig sind sich die Analysten nämlich nur darin, dass der tägliche Transaktionsumfang von Bitcoins steigen und der Handel noch riskanter wird. Anders als auf dem herkömmlichen Aktienmarkt kann an Terminbörsen nämlich auf steigende wie auf fallende Kurse gewettet werden.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

Air-Berlin-Bevollmächtigter befürchtet Niki-Insolvenz

Ein Deal mit der Lufthansa ist nach Ansicht des Air-Berlin-Generalbevollmächtigten Frank Kebekus die einzige Alternative für das Weiterleben der Airline Niki. Die auf Wunsch der EU-Kommission wiederaufgenommenen Gespräche mit der British-Airways-Mutter IAG und Thomas Cook über eine Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki blieben wohl erfolglos, sagte Kebekus laut Vorabbericht dem „Handelsblatt“ (Freitag-Ausgabe).

„Wir haben mit einer größeren Truppe in London mit der IAG verhandelt, die uns aber dann klargemacht haben, dass es kein neues Angebot geben wird.“ Zudem sei er nach den bisherigen Gesprächen mit Thomas Cook skeptisch, „dass da aus Gläubigerperspektive und auch mit Blick auf die Arbeitsplätze noch ein entsprechend akzeptables Angebot herauskommen wird“. Reuters hatte Insidern zufolge bereits berichtet, dass IAG nicht mehr an einer Übernahme von Niki interessiert ist.

„Antrag habe ich schon vorbereitet“

Kebekus sagte der Zeitung, er bereite sich auf die Insolvenz von Niki vor. „Den Antrag dafür habe ich schon vorbereitet, er liegt auf der Fensterbank.“ Sollte die Lufthansa die Finanzierung von Niki einstellen, müssten die Flugzeuge noch am selben Tag auf dem Boden bleiben. „Dann wären nicht nur weitere 1.000 Arbeitsplätze bedroht. Wir gehen auch davon aus, dass bis zu 60.000 Passagiere täglich betroffen wären und rund 800.000 Tickets wertlos würden.“

Die EU-Kommission nimmt derzeit die Übernahmen von großen Teilen des Air-Berlin-Konzerns durch die Lufthansa und die britische Billigfluglinie easyJet unter die Lupe. Während der easyJet-Deal Insidern zufolge wohl ohne Auflagen durchgehen dürfte, hakt es beim Lufthansa-Projekt. Die Behörde sieht vor allem wettbewerbsrechtliche Zweifel an der Niki-Übernahme. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits gesagt, sein Konzern sei bereit, auf bestimmte Start- und Landerechte zu verzichten.

Chronik

Keine Entwarnung bei Bränden in Kalifornien

Heftige Winde haben die verheerenden Buschfeuer in Südkalifornien weiter ausgebreitet. Am schlimmsten wüteten die Flammen im Bezirk Ventura County, wo seit dem Ausbruch der Feuer am Montag nun bereits eine Fläche von mehr als 380 Quadratkilometern abbrannte. Nach jüngsten Angaben der Behörden kämpften allein dort über 2.500 Feuerwehrleute gegen die Brände an. 15.000 Gebäude seien bedroht, Zehntausende Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben.

Das ganze Ausmaß der Schäden war zunächst noch nicht abzusehen. Nach ersten Angaben brannten mindestens 150 Gebäude ab. In einem der betroffenen Gebiete nahe Ojai sei eine Frau nach einem Autounfall tot aufgefunden worden, berichtete die „Los Angeles Times“ unter Berufung auf Behörden. Die Todesursache müsse noch geklärt werden, hieß es. Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, sprach von einem „Wunder“, dass bisher keine Toten aus den Brandgebieten gemeldet wurden.

Alarmstufe Violett

Ein weiteres Buschfeuer hatte auch das weltbekannte Reichenviertel Bel Air in Los Angeles erreicht. Die Hügel des Stadtteils waren in dichten Rauch gehüllt. Der Feuerwehr zufolge brannten dort vier Häuser ab, elf wurden beschädigt. Gestern war das Skirball-Feuer erst zu fünf Prozent eingedämmt. Mehr als 700 Häuser in der Gefahrenzone seien geräumt worden. Die Feuerwehr hatte Anwohner alarmiert, notfalls für eine rasche Evakuierung bereitzustehen.

Das Eindämmen der Buschfeuer im Süden Kaliforniens wird durch die heftigen Santa-Ana-Winde erschwert. Seit Montag wehen diese trockenen und heißen Winde mit hoher Geschwindigkeit aus dem Inland Richtung Küste. Nach der Vorhersage der Meteorologen muss noch bis Samstag mit starken Böen gerechnet werden. In direkter Folge wurde die Alarmstufe erstmals von Rot auf Violett erhöht.

Mehr dazu in 200.000 Menschen auf der Flucht

Charleston: Ex-Polizist zu 20 Jahren Haft verurteilt

In einem besonders drastischen Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ist ein Ex-Beamter zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Michael Slager habe mit „Tücke und Vorsatz“ gehandelt, als er den unbewaffneten Walter Scott erschoss, sagte Bundesrichter David Norton gestern bei der Urteilsverkündung in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina.

Der weiße Polizist Slager hatte dem 50-jährigen Scott im April 2015 fünfmal in den Rücken geschossen, nachdem dieser wegen eines defekten Bremslichts an seinem Wagen angehalten worden war. Slager behauptete zunächst, in Notwehr gehandelt zu haben und dass Scott eine Elektroschockpistole bei sich gehabt habe.

Allerdings legte Slager direkt nach dem Vorfall seinen eigenen Taser neben Scotts Leiche ab, was Ermittler als Versuch werteten, den Tathergang zu vertuschen. Videoaufnahmen zeigten, wie der unbewaffnete Scott nach einem Handgemenge mit dem Beamten zu fliehen versuchte, woraufhin Slager das Feuer eröffnete. Slager wurde festgenommen und aus dem Polizeidienst entlassen. Scotts Tod löste landesweite heftige Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.

Vereinbarung mit Staatsanwaltschaft

Ein Mordprozess gegen Slager platzte jedoch im Dezember 2016, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Der Ex-Polizist bekannte sich dann aber im Mai schuldig, durch die Anwendung exzessiver Gewalt die Bürgerrechte des Opfers verletzt zu haben. Mit diesem Eingeständnis konnte Slager im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft weitere Verfahren in dem Fall abwenden. Das jetzt verkündete Strafmaß wurde auf Grundlage seines damaligen Schuldeingeständnisses verhängt.

Kultur

US-Verband AFI kürte die zehn besten Filme des Jahres

Der Kriegsfilm „Dunkirk“, das Politdrama „The Post“ („Die Verlegerin“) und der Indie-Film „Lady Bird“ zählen nach Ansicht des renommierten American Film Institute (AFI) zu den zehn besten Filmen des Jahres 2017. Auch das Fantasy-Märchen „Shape of Water“, der Horrorstreifen „Get Out“ und „Wonder Woman“ sind unter den Top Ten dabei, wie der Verband gestern bekanntgab.

Die jährliche Auswahl durch Filmexpertinnen und Kritiker gilt als Vorbote für die Oscar-Verleihung. Zu den weiteren AFI-Favoriten gehören die Komödie „The Big Sick“, der Liebesfilm „Call Me By Your Name“, der Indie-Film „The Florida Project“ und die Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

Die ausgewählten Filmschaffenden werden am 5. Jänner in Los Angeles im Rahmen einer feierlichen Zeremonie geehrt. Die Oscar-Gala findet am 4. März statt.

Religion

Krippe der Barmherzigkeit auf Petersplatz eingeweiht

Mit der Einweihung der Krippe auf dem Petersplatz hat der Vatikan die Weihnachtszeit eingeläutet. Erinnerte die Krippe 2016 mit einem typisch maltesischen Fischerboot an die Flüchtlingskrise, steht sie dieses Jahr im Zeichen der Barmherzigkeit. Von einem neapolitanischen Handwerker gebaut, zeigt sie etwa einen Häftling und Kranke, die geheilt werden.

Krippe vor dem Petersdom

APA/AFP/Alberto Pizzoli

Über dem Stall breitet ein Engel seine überdimensionierten Flügel aus. Barmherzigkeit ist eines der Hauptanliegen in Papst Franziskus’ Pontifikat. Seit gestern erstrahlt nicht nur die Krippe, sondern auch der 28 Meter hohe Weihnachtsbaum aus Polen vor dem Petersdom. Die Kugeln haben neben krebskranken Kindern auch Kinder aus dem italienischen Erdbebengebiet dekoriert. Bis zum 7. Jänner soll die Weihnachtsszene zu sehen sein.

Science

Lifestyle

Panorama

Britisches Kaufhaus nimmt kernlose Avocado ins Angebot

Rundlich, weich, glitschig - immer wieder verletzen sich Menschen beim Entkernen von Avocados. Das britische Kaufhaus Marks and Spencer nimmt nun vorübergehend eine kernlose Variante der Frucht ins Sortiment. Das teilte das Unternehmen gestern mit.

Die „Cocktail Avocado“ ist kleiner als die herkömmliche Frucht, fünf bis acht Zentimeter lang und hat eine längliche Form, ähnlich einer Zucchini. Nur bis Ende Dezember sei sie erhältlich.

Erst im Frühjahr hatte ein renommierter britischer Mediziner vor den Gefahren des Avocado-Entkernens gewarnt. Allein er behandle schon etwa vier Patienten pro Woche in einem Londoner Krankenhaus, die sich auf diese Weise geschnitten hätten. Seine Mitarbeiter bezeichneten eine solche Verletzung bereits als „Avocado-Hand“.

Mann will auf Müllhalde nach Bitcoin-Vermögen graben

Ein Brite will eine Mülldeponie auf der Suche nach einer weggeworfenen Festplatte mit Bitcoins im aktuellen Wert von rund 95 Millionen Euro umgraben lassen.

Wie der 32-jährige Computerfachmann James Howells dem „Telegraph“ erzählte, generierte er vor mehreren Jahren 7.500 Einheiten der digitalen Währung auf seinem Computer. Später schlachtete er das Gerät aus und verkaufte Teile davon auf eBay - die Festplatte landete dann 2013 versehentlich im Müll. Damals schien das keine Tragödie zu sein, doch durch den steilen Anstieg des Bitcoin-Kurses wuchs das Vermögen auf der Festplatte immer weiter.

Zu teuer: Behörde will Grabung nicht zulassen

Schon seit einiger Zeit spielt Howells mit dem Gedanken, nach seinem verlorenen Schatz zu suchen, der aktuell über 110 Millionen Dollar wert wäre. Doch seine Anfrage bei der örtlichen Behörde wurde mehrfach abgelehnt. „Die Kosten, um die Müllhalde umzugraben, den Müll zu lagern und zu behandeln, könnte Millionen Pfund kosten“, teilte die Stadtverwaltung von Newport auf Anfrage der dpa zur Begründung mit.

Dabei sei nicht garantiert, dass die Festplatte gefunden werde und dass sie noch funktioniere. Außerdem drohten negative Folgen für die Umwelt. Schatzsucher müssten sich durch rund 200.000 Tonnen Abfall wühlen, die inzwischen auf der Müllhalde entsorgt wurden.

Howells will trotzdem nicht aufgeben. Je höher der Bitcoin-Kurs steigt, desto eher wird man ihn danach graben lassen, glaubt er. In einem Schreiben bot er der Stadt sogar an, den Schatz zu teilen, sollte man ihm die Suche erlauben. Eine Pressesprecherin schloss aber aus, dass sich die Behörde auf einen solchen Deal einlassen würde.

Fake-Lokal auf TripAdvisor bestes Restaurant Londons

Mit einem erfundenen Restaurant hat ein Londoner Journalist das Bewertungsportal TripAdvisor ausgetrickst: Mit gefälschten Restaurantkritiken machte Oobah Butler seine Gartenlaube binnen weniger Monate zum bestbewerteten Restaurant der britischen Hauptstadt auf dem Portal - ohne je ein einziges Essen zu servieren.

Auch alle Speisenfotos gefälscht

Früher habe er selbst gefälschte Rezensionen über Restaurants geschrieben, die von TripAdvisor veröffentlicht wurden, berichtete Butler heute auf der Website Vice.com. „Restaurantinhaber zahlten mir zehn Pfund, und ich schrieb ihnen eine gute Kritik, ohne jemals dort gegessen zu haben.“ Irgendwann habe er sich dann gefragt, ob in „Zeiten der allgegenwärtigen Fehlinformation“ sogar ein komplett erfundenes Restaurant möglich sei.

Für seine Erfolgsgeschichte brauchte Butler nur eine Website, eine Telefonnummer und eine etwas ungenaue Adresse. Im April ging „The shed at Dulwich“ im Internet an den Start, sämtliche Essensfotos waren gefälscht: Ein Nachtisch war ein mit Farbe bemalter Schwamm, ein Spiegelei drapierte Butler kunstvoll auf seinem nackten Fuß.

Freunde halfen mit

Im Mai wurde Butler bei TripAdvisor gelistet. Als Neueröffnung landete er erst einmal auf dem letzten Platz aller 18.149 verzeichneten Londoner Gaststätten. Dank positiver Bewertungen seiner Freunde schaffte er es bis Ende August auf Platz 156.

Butler erhielt nun haufenweise Reservierungsanfragen - und war im November am Ziel: Begeisterte Kritiken und Tausende Suchanfragen machten „The shed at Dulwich“ auf TripAdvisor zum bestbewerteten Londoner Restaurant. Um den Schwindel aufzulösen, öffnete Butler seine Laube nun wirklich - und servierte Fertiggerichte.

TripAdvisor erklärte in der „Times“, das Bewertungsportal habe „The shed at Dulwich“ schon länger auf dem „Radar“ gehabt, früher oder später wäre der Eintrag also gelöscht worden. Seine Vertrauenswürdigkeit sieht TripAdvisor nicht beschädigt: Betrüger seien sonst nur daran interessiert, die Bewertungen echter Firmen zu manipulieren. Erfundene Restaurants ausfindig zu machen sei daher normalerweise nicht nötig.