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Erdbeben bei Zug vom 11 Februar 2012

Das Erdbeben, das sich am 11 Februar um 23:45 Lokalzeit (22:45 UTC) zwischen Zuger- und Ägerisee ereignet hat, war mit einer Magnitude von 4.2 das stärkste Beben in der Schweiz seit dem Beben von Vallorcine (CH/F Grenzgebiet in der Nähe von Martigny) im September 2005 mit Magnitude 4.9. Ähnlich starke Beben wie das vom Samstag gab es zuletzt im Januar 2009 (bei Wildhaus, Toggenburg) und im Mai 2009 (bei Steinen, Südschwarzwald, D). Im langjährigen Durchschnitt ist in der Schweiz mit ein bis zwei Magnitude 4 Beben pro Jahr zu rechnen, auch wenn diese in den letzten Jahren etwas weniger häufig auftraten.

Ursache

Das Hypozentrum (Ort des Erdbebens im Erdinnern) lag in ca. 30 km Tiefe, knapp über der sogenannten "Moho", die den Übergang von der Erdkruste in den Erdmantel markiert. Wie die seismische Aktivität der Schweiz im Allgemeinen ist auch dieses Beben ein Ausdruck der tektonischen Spannungen im Alpenraum. Diese Spannungen ergeben sich aus der Kollision zwischen den europäischen und afrikanischen Kontinentalplatten, die zur Bildung der Alpen geführt hat.

Wahrnehmung

Das Beben wurde in der gesamten Deutschschweiz und bis ins Wallis und ins Tessin deutlich verspürt, am stärksten natürlich in der Nähe des Epizentrums (Lage des Bebens "auf der Landkarte"). Auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS), welche die Auswirkung eines Bebens an der Oberfläche beschreibt, erreichte das Beben die Intensität IV bis V. Bei einem Beben dieser Stärke können vereinzelt kleinere Gebäudeschäden (z. B. Risse in Verputz) auftreten. Aufgrund der relativ grossen Tiefe des Bebens ist es aus seismologischer Sicht eher unwahrscheinlich, dass Intensität V erreicht wurde, ab der mit derartigen Schäden zu rechnen wäre. Von den ca. 2500 bisher am SED eingegangenen Fragebögen zum Erdbeben berichten 40 von "Haarrissen". Es gibt in den Medien allerdings relativ viele Berichte über Risse in Wänden. Dass diese tatsächlich durch das Beben entstanden sind, ist nicht auszuschliessen. Um das sicher feststellen zu können, müssten sie allerdings genauer untersucht werden. Bei derartigen Erschütterungen können auch bereits vorhandene kleine Risse, die eventuell bisher von Putz oder Farbe überdeckt waren, arbeiten und dadurch sichtbar werden.

Knall

Viele Personen berichten von einem lauten Knall, ähnlich einer Explosion, der am Anfang oder sogar kurz vor den Erschütterungen zu hören war. Später war es oft eher ein Grollen, teilweise auch ein zweiter Knall. Diese Geräusche entstehen, wenn Erdbebenwellen an die Oberfläche treffen und sind eine häufige Begleiterscheinung von Erdbeben. Die Schwingungen des Bodens werden in die Luft übertragen und erzeugen Schallwellen. Knallartige Geräusche entstehen, wenn relativ viel Energie in hochfrequenten Wellen an die Luft abgegeben wird. Der beobachtete Knall stimmt daher gut mit einer anderen Beobachtung überein: Das Beben (bzw. der Anfang der Erschütterung) wurde vielfach wie ein Ruck oder Stoss wahrgenommen. Die Geräuschentwicklung hängt sehr stark von lokalen Gegebenheiten ab und kann daher auch innerhalb kleiner Entfernungen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.

Zwei Erschütterungswellen

Eine weitere Beobachtung war, dass es zwei Erschütterungen kurz nacheinander gegeben hat. Dies ist auch an den Seismogrammen zu erkennen, die an vielen Messstationen deutlich zwei Segmente mit grossen Ausschlägen zeigen. Diese entsprechen dem Eintreffen der P- und S-Wellen an den Stationen. Aufgrund der grossen Tiefe wurden Oberflächenwellen, die oft der Grund für die Wahrnehmung "rollender" Schwingungen bei einem Erdbeben sind, durch dieses Ereignis fast nicht erzeugt.

Die rote Markierung zeigt den Einsatz der durch die P-Wellen verursachten Erschütterungen und die blaue jene der S-Wellen.

Nachbeben

Im Prinzip sind bei einem Beben dieser Stärke durchaus Nachbeben zu erwarten, es wurde allerdings auch in der Vergangenheit öfters beobachtet, das Beben in diesen Tiefen von ca. 30 km als einzelne Ereignisse auftreten. Ob es in den nächsten Tagen zu weiteren Beben in der Region kommt, lässt sich nicht vorhersagen.

Am 14. Februar um 19:15 gab es ein kleines Nachbeben, welches aufgrund der geringen Magnitude von 1.1 nicht zu spüren war. Weitere Nachbeben wurden bis Mittwochnachmittag nicht verzeichnet.

Erdbeben in der Schweiz

Das Erdbeben vom Samstag war nicht stark genug, um grössere Schäden anzurichten. Die Erdbebengefährdung der Schweiz liegt international gesehen im mittleren Bereich, grosse Erdbeben mit Schadenswirkung sind hier viel seltener zu erwarten als z. B. in Griechenland oder Italien. Aber auch in der Schweiz ist etwa einmal alle 100 Jahre mit einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6 zu rechnen, das bei Gebäuden, die nicht erdbebensicher gebaut sind, zu grossen Schäden führen kann. Das Basel-Erdbeben von 1356 war mit einer Magnitude zwischen 6.5 und 7 das grösste historisch belegte Erdbeben in Europa nördlich der Alpen. Die Wiederkehrperiode dieses Ereignisses ist schwer abzuschätzen, liegt aber nach neuen Studien zwischen 1500 und 2000 Jahren.

Den besten Schutz vor Erdbeben bietet eine erdbebengerechte Bauweise sowie Kenntnisse über das richtige Verhalten im Ereignisfall.